Forum
» Forum » RSW-Blog registrieren  anmelden
Der Rechtschreibwerkstatt-Blog minimieren

Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.

Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!

Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!



   
Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet minimieren
Sep 16

Erstellt von: DHoffmann
16.09.2007 10:10 

Einstieg in den Unterricht
Am Mittwoch war auf dem Tagesplan ein großes Ohr eingetragen. Schon gleich bei der Besprechung des Tages machte die Kinder dieses Zeichen sehr neugierig und ich unterstützte sie in ihrer Neugier, indem ich erklärte: „Dies ist eine ganz besonders wichtige Übung, die man unbedingt zum Schreibenlernen braucht und die manchmal ganz schön kniffelig ist.“


Unerwarteter Besuch - das Schreibenlernen beginnt
Nach der Fünf-Minuten-Pause bekamen wir plötzlich Besuch: Lea, eine große Handpuppe, klopfte an die Tür. Sie war auf der Suche nach ihrem Raben Raki, unserem Klassentier. Er war ihr schon vor dem Sommer entflogen und sie hatte ihn bislang vergeblich gesucht. Jetzt hatte sie ihn bei uns endlich wieder gefunden und wollte ihn abholen, doch Raki wollte nicht mit nach Hause kommen. So beschloss Lea, ein bisschen bei uns zu bleiben und wenn sie schon mal in der Schule war, wollte sie auch gleich Schreiben lernen. Die Kinder und auch der kleine Rabe waren etwas erstaunt, denn so einfach war das nicht – darüber waren sich alle einig!


Hören - Schreiben - Sehen
Zum Schreiben braucht man sein Ohr, um zu hören, welchen Buchstaben man schreiben muss. Man braucht seine Hand, um diesen Buchstaben aufzuschreiben und man braucht sein Auge, um den Buchstaben zu prüfen und von anderen zu unterscheiden. Während ich dies erklärte, befestigte ich jeweils die entsprechenden Piktogramme „Ohr“, „Hand“ und „Auge“ an der Tafel und führte sie damit ein. Gleichzeitig bahnte ich damit Verständnis bei den Kindern dafür an, warum bestimmte Übungen wichtig sind. Das Ziel „Ich will schreiben lernen!“ ist dabei Motivation und Perspektive zugleich.
Nachdem Lea das gehörte hatte, war sie einverstanden, zunächst den Buchstaben „L“ kennen zu lernen und sich erst einmal auf das Ohr zu konzentrieren.


Der erste Buchstabe und sein Laut: das "L"
Damit begann die Arbeit an unserem ersten Buchstaben. Ich entschied mich für das „L“, da er von der Schreibrichtung klar und nicht zu schwierig ist. Außerdem ist es ein Dauerkonsonant, der das Heraushören aus einem Wort erleichtert, wie man in der Literatur auch lesen kann.
Wir suchten das „L“ auf dem Anlautlineal und wiederholten „„L“ wie Löffel.“ Dann forderte ich die Kinder auf, andere Wörter zu finden, bei denen man am Anfang ein „L“ wie bei Löffel hört. Wir fanden viele Namen, da in unserer Klasse viele Kinder mit diesem Buchstaben beginnen. Außerdem wurden Gegenstände aus dem Klassenzimmer genannt und drei Kinder sagten sogar die Wörter „alle“, „Felix“ und „Ellen“ mit dem Kommentar, dabei höre man auch ein „l“, das sei aber nicht vorne.
Diese Erkenntnis fand ich sehr erstaunlich, schließlich war es der erste Tag, an dem wir uns mit dem Heraushören von Lauten bewusst beschäftigten.


Die Hörkiste als Trainigsmethode
Am nächsten Tag wollte ich das Heraushören des Lautes „L“ vertiefen und dafür die Hörkiste einführen.
Die Einführung der Übung geschah im Klassenverband. Dafür hatte ich mir eine L-Sortiertafel größer kopiert, ebenso mehrere Anlautbilder. Außerdem hatte ich kleine Sortiertafeln vorbereitet, an denen die Kinder später in Partnerarbeit die Übung selbst durchführen sollten. Die Päckchen mit den Anlautbildern hatte ich jeweils halbiert, da ich nicht für jedes Kind eine eigene Hörkiste zur Verfügung habe, sondern insgesamt nur acht in der Klasse sind. Ich denke allerdings, dass dies im weiteren Verlauf der Arbeit am Hör-, Schreib- und Seh-Pass nicht stören wird, da bald alle Kinder individuell vorgehen werden, an unterschiedlichen Buchstaben arbeiten und so nicht gleichzeitig die selben Karten brauchen. Wenn ein Kind zum Ende einer Übungsstunde die Sortierübung noch nicht beendet hat, kann es das von ihm benutzte Päckchen in seinem Ablagekorb aufbewahren und in der nächsten Stunde damit weiterarbeiten.

Zunächst klärten wir die Bedeutung der Bilder. Dann begannen wir, jedes Bild einzeln zu untersuchen: wir sprachen das Wort zum Bild. Ich forderte die Kinder auf, das Wort ganz lang und gedehnt zu sprechen. Dazu machte ich eine Geste, bei der meine Hände zunächst aneinander lagen und sich beim gedehnten Sprechen immer weiter voneinander entfernten. Ich merkte, dass diese Bewegung den Kindern half, sich an die Dehnsprache zu erinnern. Schließlich ist diese Sprechweise etwas, dass für sie neu und ungewohnt ist. Dann fragte ich: „Hörst du am Anfang ein „L“ wie Löffel?“. Wenn ein „L“ zu hören war, legten wir das Anlautbild auf die Sortiertafel, wenn nicht, legten wir es daneben ab. Auf diese Weise bearbeiteten wir an der Tafel mehrere Anlautbilder.


Partnerarbeit mit der Hörkiste
Schließlich bekamen die Kinder zu zweit jeweils eine Sortiertafel und ein Päckchen mit Anlautbildern. Nun sortierten sie die Anlautbilder wie wir es zuvor gemeinsam erarbeitet hatten. Es fiel nicht allen Kindern leicht, das Wort auch alleine gedehnt zu sprechen und dann zu entscheiden, ob am Anfang ein „L“ wie Löffel zu hören war. Ich ging herum, beobachtete und unterstützte die Kinder gegebenenfalls in ihrem Arbeitsprozess. Auch jetzt half manchen schon die Bewegung, um das Wort länger zu sprechen und den die Entscheidung über den gehörten Anlaut zu treffen, anderen Kindern sprach ich das Wort noch einmal vor und wiederholte es dann mit ihnen gemeinsam. So kamen alle Kinder zu einem Arbeitsergebnis und jeder konnte zum Abschluss der Stunde mindestens ein gefundenes „L“-Wort „vorlesen“. Die organisatorische Vorgehensweise der Übung war für alle Kinder kein Problem. Die Demonstration und gemeinsame Erarbeitung an der Tafel hatte sie offensichtlich gut auf die Partnerarbeit vorbereitet.
Die Möglichkeit der selbständigen Kontrolle durch die Kontrolltafeln führe ich beim nächsten Mal ein, wenn wir zur Vertiefung die Hörübung noch einmal wiederholen. Für den heutigen Tag erschien mir dies zu viel.


Fortschritt beim Anlautrap
Auch der Anlautrap ist weiter „gewachsen“. Mittlerweile sind wir beim „M“ angelangt.
Es ist deutlich zu spüren, dass die Kinder weiterhin Freude daran haben und auch stolz darauf sind, schon so viele Buchstaben mit ihren jeweiligen Lauten zu kennen – das sehe ich auf ihren Gesichtern. Einige sind sicherer als andere und sprechen laut mit, andere sprechen nur stellenweise mit und hören an anderen Stellen zu. Ihnen sind die neuen Inhalte wohl noch etwas fremd, aber wir werden den Anlautrap immer wieder wiederholen, bis alle Kinder sich so sicher fühlen, dass sie innerlich frei und sicher mitsprechen können.


Jedes Kind bekommt sein eigenes Anlautlineal
Nachdem ich Anfangs nur das große Anlautlineal verwendet und beim Sprechen immer auf den entsprechenden Buchstaben und das dazugehörige Bild gezeigt hatte, habe ich nun jedem Kind sein eigenes Anlautlineal ausgeteilt. Ich forderte die Kinder auf, beim Sprechen nun auch mit dem Finger auf Buchstabe und Anlautbild zu zeigen. Auf diese Weise gingen sie zum ersten Mal selbst mit dem Anlautlineal um.
Danach suchten wir, jeder auf seinem Anlautlineal, noch einmal das „L“ wie Löffel und „Lea“, die sich nun entschlossen hatte, länger bei uns zu bleiben: zum einen, weil Raki einfach nicht nach Hause wollte und zum anderen, weil es ihr mittlerweile auch zu gut bei uns gefiel, um wieder zu gehen. Nun wollten wir gemeinsam ihren Namen an die Tafel schreiben, denn das hatten wir ja auch alle getan, als wir neu in die Klasse kamen. Lea sollte sich nun auch auf diese Weise vorstellen.


Das erste Wort - gemeinsame Schreibarbeit
Das „L“ war leicht gefunden, schließlich hatten wir für diesen Laut schon sehr spitze Ohren bekommen und uns schon viel mit ihm beschäftigt. Doch wie ging es dann mit ihrem Namen weiter? Wir sprachen „Lea“ mehrmals gemeinsam in der Dehnsprache, auch heute half die Bewegung wieder als Gedächtnisstütze dafür. So erarbeiteten wir uns Schritt für Schritt die nachfolgenden Laute und schrieben so gemeinsam unser erstes Wort. Es stand schließlich an der Tafel und war der ganze Stolz des Tages und ein sehr gelungener Abschluss unserer ersten gemeinsamen Schulwoche!
Bei dieser Arbeit haben die Kinder zum ersten Mal die Anlauttabelle als Schreibhilfe kennen gelernt und ein Wort ganz bewusst in seine Lautbestandteile zerlegt. Das ist wieder ein großer Schritt, denn wie beim Silbenklatschen auch setzen sich die Kinder dabei auf eine Weise mit Sprache auseinander, die sie bisher noch nicht kennen gelernt haben. Sie betrachten Sprache und Wörter analytisch und entfernen sich erneut vom rein inhaltlichen. Dieses Zerlegen und das anschließende Zuordnen der passenden Buchstaben mit Hilfe der Anlauttabelle werden wir nun immer wieder üben.

Tags:

AW: Das eigene Anlautlineal, die Hörkiste und das erste Wort

Echt toll, dass Sie sich die Mühe machen von Ihren Erfahrungen zu berichten! Die Anregungen gefallen mir sehr, ich werde mit Sicherheit öfter vorbeischauen und davon profitieren. Vielen lieben Dank für Ihre Arbeit!

Kerstin

Von Kerstin am   15.08.2007 15:46

AW: 1. Schulwoche, Mittwoch - Donnerstag - Freitag: Das eigene Anlautlineal, die Hörkiste und das erste Wort

Ich habe ja schon geschrieben, dass ich diesen Blog prima finde. Eine Rückfrage habe ich aber: was genau kann ich mir unter einer "Sortiertafel" vorstellen? Die Übungen klingen toll, aber ich weiß nicht, was diese Tafel sein soll... Würde mich über eine Rückmeldung freuen!

Von Jessica am   09.09.2007 20:12

AW: 1. Schulwoche, Mittwoch - Donnerstag - Freitag: Das eigene Anlautlineal, die Hörkiste und das erste Wort

Vor drei Jahren habe ich das tolle Tagebuch entdeckt und mich gefreut, dass ich jetzt noch in die Berichten reinschauen kann. Im neuen Schuljahr werde ich erstmals mit dem Anfangsunterricht nach der RSW beginnen und danke ganz herzlich für die ausführlichen Berichte.

LG Birgit

Von Marquardt am   26.07.2010 11:49

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse:
(Optional) Geben Sie Ihre E-Mail-Adresse an, um ein Gravatar-Bild festzulegen.
Ihre Web-Site:
Überschrift:
Kommentar:
Kommentar hinzufügen   abbrechen 
   
© 1998-2012 N. Sommer-Stumpenhorst   Nutzungsbedingungen  Datenschutzerklärung