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Der Rechtschreibwerkstatt-Blog minimieren

Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.

Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!

Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!



   
Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet minimieren
Jan 18

Erstellt von: DHoffmann
18.01.2008 13:55 

Unser Klassenbriefkasten ist – leider – schon seit einiger Zeit eher weniger im Gebrauch gewesen.
Eigentlich hatte ich ihn immer und regelmäßig einsetzen wollen, doch der Anlass und die Gesamtsituation sollte auch stimmig und bedeutungsvoll sein, der Rahmen und die Atmosphäre angemessen und gemütlich.
So ist es oft nicht zu einem Briefwechsel mit Ela gekommen. Neben den anderen Schreibanlässen – der Montagsgeschichte und der Lonigeschichte im Schulalltag, das Schreiben zu Astrid Lindgrens Bilderbuch zu Ehren ihres 100. Geburtstages, die Weihnachtsgeschichte für das Leporello in der Adventszeit – erschien mir ein Brief oft als zu sehr „zwischendurch“, sodass ich mich dagegen entschied…
Dennoch blieb der Gedanken an den Briefkasten immer präsent, immer noch wollte ich daran festhalten – auch wenn ich einsehen muss, dass man nicht alle Ideen, die man gut findet, umsetzen kann.

Auf dem Hintergrund dieser Situation sei der heutige Eintrag betrachtet:
Unser Klassenbriefkasten hat eine kleine Tafel an seiner Vorderseite. Immer wenn wir einen Brief erhalten hatten, stand dort das Wort „Post“ zu lesen. War der Briefkasten leer, blieb auch das Schild unbeschriftet.
Gestern stand dort auf einmal „Post“ zu lesen – in Kinderschrift!
Zwei Jungs machten mich verschmitzt und erwartungsvoll guckend darauf aufmerksam.
Nach der Pause leerten wir gemeinsam den Kasten.
Auf kleinen Zetteln waren dort kurze Mittelungen notiert, die an die Klasse gerichtet waren. Wir lasen die Briefe gemeinsam und erfuhren: „Wir haben gegrillt.“ von dem einen der beiden, worauf der andere Bezug genommen und „Wir auch.“ geschrieben hatte.
Die beiden Jungs waren sichtlich stolz, dass ihre Briefe nun vor der Klasse vorgelesen wurden, die Klasse freute sich, mal wieder Post bekommen zu haben und den Briefkasten leeren zu können.

Ich nahm dieses Geschehen zum Anlass, meine Klasse zu ermutigen, Post zu schreiben. Ich schlug vor, sich untereinander zu schreiben. Am Ende der Woche könnte der Briefkasten regelmäßig geleert und die Briefe ausgeteilt werden.
Es sollte ein offenes Angebot sein und die Kinder zum wirklich „freien Schreiben“ ermutigen. Ich war gespannt, wie es nun weiter gehen würde!

Am nächsten Tag stand wieder „Post“ auf der kleinen Tafel am Briefkasten.
Die Kinder hatten es schon längst vor mir entdeckt und drängten darauf, den Postkasten zu leeren; es war nicht daran zu denken, bis zum Freitag zu warten und erst dann hineinzugucken.
Also leerten wir den Kasten wieder gemeinsam nach der Pause. Darin fanden wie mehrere Briefe.
Fünf waren zu einer Rolle gewickelt. Es waren Bildbriefe, die an mich gerichtet waren: Blumen und ein Gartenbild – jeweils ohne Schrift.
Der zweite Brief war ein mehrmals gefaltetes Blatt Papier, auf das ein Junge an einen Mitschüler eine Nachricht geschrieben hatte: „Was möchtest du am Wochenende machen?“ (Allerdings lasen wir diesen Brief nicht gemeinsam vor der Klasse, da er ja einen ganz speziellen Adressaten hatte.)
Als die Post verteilt war, wurde die kleine Tafel wieder gewischt. „Sonst denken wir noch, es ist immer noch ein Brief darin“, kommentierte ein Mädchen, als es die Schrift auswischte.
Nach Schulschluss ging ich wie üblich noch einmal in meine Klasse und richtete alles für den nächsten Tag her.
Dabei fiel mein Blick zufällig auf den Briefkasten: Dort stand mit gelber Kreide „Post“ geschrieben. Ich öffnete den Deckel und schaute hinein; es konnte gut sein, dass „nur so“ auf die Tafel geschrieben worden war, denn Kreide und Tafel üben immer wieder einen großen Reiz auf meine Kinder – und Kinder allgemein – aus und haben stets einen großen Aufforderungscharakter.
Doch das kleine Wort war nicht „nur so“ dort angeschrieben worden!
Im Briefkasten lag wieder der mehrmals gefaltete Zettel, der Adressat hatte eine Antwort darauf notiert und nun zurück geschickt.
Ich erlaubte mir einen Blick darauf und las: „Ich möchte bei Oma Greta Gitarre spielen!“

Diese ersten Kontaktaufnahmen per Post und die Nutzung des Briefkastens als Kommunikationsmittel innerhalb der Klasse ließen mich glücklich zurück.
Mich erfreute es sehr, wieder zu erleben, wie meine Kinder die Schrift immer mehr in ihren Alltag integrieren – wie ich es auch schon im Blogeintrag „Selbstgeschriebene Geburtstagseinladungen“ beschrieben habe.
Gleichzeitig rührte es mich auch irgendwie an, dass meine Klasse so am Postbekommen und Postverschicken hing.

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