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Der Rechtschreibwerkstatt-Blog minimieren

Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.

Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!

Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!



   
Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet minimieren
Apr 28

Erstellt von: DHoffmann
28.04.2008 19:53 

Nun endlich mal wieder ein Eintrag in mein Internet-Tagebuch mit neuen Eindrücken aus dem Schulalltag meiner Klasse.
Es sind Nachträge der letzten Zeit; insgesamt war sehr viel zu tun – neben den „normalen“ Vorbereitungen der Elternabend und darauf der Elternsprechtag –, sodass ich es einfach nicht zeitnah geschafft habe, da beide Termine schon mit einiger Vorbereitung verbunden waren.

Wie ich schon in meinem letzten Eintrag erwähnt habe, sind vier meiner Schüler mittlerweile mit dem Hör-, Schreib- und Seh-Pass fertig und arbeiten nun im LB-Zimmer der Rechtschreibwerkstatt.
Keiner dieser Kinder hat zeitgleich mit einem anderen den HSSP abgeschlossen, sodass ich die Arbeit und Handhabung der Arbeitsmaterialien sukzessiv eingeführt habe.
Doch wie es meist bei derart offenen Unterrichtsformen der Fall ist, schauen viele andere Schüler, die selbst noch gar nicht so weit sind, bei diesen Einführungen zu – und sei es nur etwas vorsichtig von ihrem Platz aus – und lernen so das Material schon ein erstes Mal kennen.

Ich habe das Haus der Rechtschreibwerkstatt in der Klasse aufgehängt und es erst einmal unkommentiert gelassen. Mit den „Rechtschreibwerkstatt-Kindern“ habe ich zunächst den Rechtschreibpass eingeführt und anhand dessen die einzelnen Übungen vorgestellt; ihnen gab ich auch jetzt schon mit Hilfe des Hauses einen Überblick über ihre Arbeit: das bereits geleistete (den Keller) und das, was sie nun beginnen (die einzelnen Zimmer).
Der Rechtschreibpass gab uns eine Struktur, an der wir uns bei der Einführung der Materialien orientieren konnten und gleichzeitig sahen die Kinder, wo die einzelnen Arbeiten eingetragen werden.
Vieles war den Kindern schon bekannt: der Umgang mit dem Rechtschreibpass als Dokumentationshilfe ihrer Arbeit, die Arbeit an den Sortiertafeln und das Kontrollieren ihrer Arbeit an den Kontrolltafeln unter der Tafel.
Ich merkte deutlich, dass sich die Kinder, zumindest die vier, dieses Mal wesentlich sicherer fühlten als ich ihnen die Arbeit mit dem Pass und den Materialien erklärte.
Ich erinnere mich noch, wie unsicher meine Schüler vor gut 30 Wochen waren als ich ihnen das erste Mal die Arbeit mit dem Hör-, Schreib- und Seh-Pass vorstellte…Dieses Mal war das völlig anders!
Nachdem für ungefähr zwei oder drei Stunden Hör-, Schreib- und Seh-Pass und Rechtschreibwerkstatt parallel zueinander statt gefunden hatten, begann ich die Rechtschreibwerkstatt-Stunde mit einer Einführung des Hauses für die ganze Klasse. an manchen Stellen konnten mir die vier Kinder, die bereits im LB-Zimmer sind, gut mit Erklärungen helfen oder sie fügten einige ihrer Arbeitsschritte ein, als es darum ging, für alle die Weiterarbeit nach dem HSSP zu erklären.
So war es im Grunde ein Unterricht mit und für die Kinder – und nicht selten ist es ja so, dass Kinder sich untereinander Arbeitsweisen und Zusammenhänge besser erklären können – einfach weil sie sprachlich noch mehr auf einer Ebene sind.

Meine vier Schüler arbeiten momentan an den Sortiertafeln und mit dem Modellwortschatz. Ihre Arbeitsphase im Rahmen der Rechtschreibwerkstatt hat von mir eine immer wiederkehrende Struktur bekommen: erst das Abhören von Wörtern mit einer Sortiertafel, dann Arbeit mit dem Modellwortschatz.
Arbeit an der Sortiertafel
Ich habe sie, auch wenn sie recht sicher im Abhören von Wörtern sind, mit der Sortiertafel 1 beginnen lassen, um ihnen die Arbeitsweise und vor allem das Eintragen in den Rechtschreibpass auch nach der Erklärung durch mich noch einmal nahe zu bringen und es vor allem von ihnen selbständig zu verlangen.
Das klappte sehr schell reibungslos, sodass ich die Übungen für sie begrenzte oder die Übungsfolge etwas abkürzte: so mussten nicht alle vier Schüler jeden Vokal am Wortanfang abhören, sondern bekamen von mir die Aufgabe, diese Laute im Wortinnern oder am Wortende herauszuhören. Lediglich ein Schüler, der durch seinen muttersprachlichen Hintergrund noch stärkere Übung braucht, um für die einzelnen Laute, auch am Wortanfang, sensibel zu werden bzw. die bereits erarbeitete Sensibilität zu festigen, hört alle Karten auf ihren Anlaut ab und sortiert die Karten entsprechend.
So ist wiederum gegeben, dass jedes Kind seinen individuellen Bedürfnissen entsprechend lernt und weiterarbeitet.
Nur wenn ich Kinder derart verschieden behandele, kann ich jedem in seiner Individualität gerecht werden.

Arbeit mit dem Modellwortschatz
Bei der Arbeit mit dem Modellwortschatz schreiben meine Kinder den Wortschatz zunächst in Einzelarbeit ab.
Die Abschreibtechnik wird so immer wieder neu trainiert und anhand dieser einzelnen Worte immer wiederholt.
Das erachte ich für ungemein wichtig. Nur mit der richtigen Abschreibtechnik können die Kinder wirklich effektiv in der Rechtschreibwerkstatt arbeiten und nur wenn sie die Technik an sich wirklich sicher und automatisiert beherrschen, können sie ihre Konzentration auf die eigentliche und wichtige Schreibarbeit legen.
Der Modellwortschatz bietet den Kindern pro Karte immer nur ein einzelnes Wort an. So ist der Umfang des zu Schreibenden stets sehr überschaubar; dadurch wiederum können sich die Kinder an dieser Stelle neben der Schreibarbeit noch sehr gut auf die Technik des Abschreibens mit „Wort deutlich in Schreibsprache lesen – Karte umdrehen – Wort aufschreiben, dabei mitsprechen – kontrollieren – abkreuzen“ konzentrieren.
So begünstigt eins das andere: der kleine Wortumfang ist für das Erlernen der Abschreibtechnik hilfreich, eine gut erlernte Abschreibtechnik wiederum ist hilfreich und notwendig für eineffektives Weiterarbeiten.

Parallel zu diesen Arbeiten geht die Arbeit am Hör-, Schreib- und Seh-Pass wie gewohnt weiter.
Mittlerweile sind die meisten Schüler soweit, dass ich in den nächsten Tagen und Wochen mit einigen beendeten Pässen rechne.
Diese Arbeit läuft sehr gut und im Grunde ohne viel zusätzliche Hilfe meinerseits. So hatte ich genügend Zeit und Ruhe, mit den vier Schülern die Rechtschreibwerkstatt und die Arbeitstechniken und –materialien des LB-Zimmers einzuführen und immer wieder zu wiederholen. Da die „HSSP-Kinder“ mich zunehmend weniger brauchen, habe ich außerdem Zeit, den „Rechtschreibwerkstatt-Kindern“ immer wieder bei der Arbeit über die Schulter zu schauen, die Abschreibtechnik zu beobachten und an wichtige Aspekte, wie z.B. das Umdrehen der Karten, zu erinnern.

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