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blog.rechtschreibwerkstatt.de
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Der Rechtschreibwerkstatt-Blog
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Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.
Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!
Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!
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Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet
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Okt
19
Erstellt von:
DHoffmann
19.10.2008 06:01
Nach zwei Wochen Herbstferien sind wir am Montag wieder gut in den Schulalltag gestartet. Schon vor Beginn des Unterrichts hatten sich die Kinder untereinander, aber auch mir gegenüber, sehr viel zu erzählen. Wir begannen die Schulwoche mit einem Montagskreis. Besonders im letzten Schuljahr hatte ich immer wieder geschrieben, dass unsere Erzählkreise nur langsam ausführlicher wurden und sich einige Kinder schwer damit taten, genauer und detaillierter zu erzählen. Offensichtlich ist nun der entscheidende Knoten geplatzt, denn unser Montagskreis nach diesen Ferien dauerte fast die ganze erste Stunde und beinahe alle Kinder konnten gut, genau und verständlich von ihren Ferien und Erlebnisse berichten. Dieses Mal war es sogar eher umgekehrt und viele meiner Schüler hatten Schwierigkeiten, sich nur auf ihr schönstes Erlebnis zu konzentrieren.
Im Anschluss an den Montagskreis schrieben wir unsere Feriengeschichte in das Geschichtenheft. Trotz der so ausführlichen Erzählrunde im Stuhlkreis konnten nicht alle Kinder selbstständig mit dem Schreiben beginnen, sondern brauchten noch einmal eine Erinnerungshilfe an das soeben erzählte. Andere fanden eigenständig einen Anfang, schrieben aber nur wenige Sätze auf – selbst wenn sie zuvor sehr ausführlich berichtet hatten. Und wieder andere schrieben ebenso detailliert, wie sie zuvor erzählt hatten.
Ich denke, hier zeigt sich, dass das Schreiben für viele meiner Schüler noch eine große Anstrengung bedeutet. Durch den Montagskreis im Vorfeld hatte sich jedes Kind noch einmal sein schönstes Ferienerlebnis in das Gedächtnis gerufen und beim Erzählen auch schon Sätze formuliert, die sich gut für das Schreiben ins Geschichtenheft eigneten. Insofern kann ein Nicht-selbstständig-ins-Schreiben-kommen oder ein relativ kurzer Text kein Anzeichen für mangelnde Ideen oder wenige Erlebnisse sein, sondern muss andere Ursachen haben: • Schreiben ist ein aktiver Konstruktionsprozess, bei dem einem gehörten Laut ein Buchstabe zugeordnet wird. Dies verlangt, beim Schreiben leise mitzusprechen und sich dabei konzentriert selbst zuzuhören, um dann den entsprechenden Buchstaben zu notieren. Gleichzeitig muss dabei der Inhalt weiterverfolgt werden, sodass zwei sehr wichtige, aber grundsätzlich unterschiedliche Prozesse parallel ablaufen: ein eher sachlicher Konstruktionsprozess und ein kreativ-gestaltender und emotionaler Prozess. Das ist sehr anspruchsvoll. Das Kind vertieft sich in seine Ferienerlebnisse, um sie möglichst genau aufzuschreiben. Dabei muss es diese Ebene immer wieder verlassen, um den Text auf der sachlichen und sehr abstrakten Ebene des Schreibens und Konstruierens zu überprüfen. Das ist sehr anstrengend, gerade am Anfang der Schreibentwicklung. So müssen Erlebnisse in Texten oft gekürzt werden, um mit der eigenen Kraft zu haushalten und die Aufgabe, die Ferienerlebnisse aufzuschreiben, bewältigen zu können. • Mit den vorhergegangenen Ausführungen hängt der folgende Aspekt eng zusammen. Die Kinder meiner Klasse schreiben jetzt seit etwas mehr als einem Jahr, sie sprechen aber schon gut acht Jahre. Deshalb haben sie im Bereich Erzählen und Sprechen wesentlich mehr Übung und Erfahrung als im Schreiben, sie können es im Grunde wie selbstverständlich tun. Das Schreiben dagegen ist bei den meisten Kindern keineswegs schon so geläufig und routiniert. Auch dadurch erklärt sich, warum oft länger und ausführlicher erzählt als geschrieben wird.
Trotz dieser Feststellung sind Fortschritte im Bereich des Freien Schreibens und damit auch Fortschritte in der Schreibentwicklung deutlich erkennbar. Das ist bei aller vorhergegangenen Analyse das Wichtigste! Darauf bin ich sehr stolz!
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