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Der Rechtschreibwerkstatt-Blog minimieren

Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.

Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!

Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!



   
Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet minimieren
Sep 16

Erstellt von: DHoffmann
16.09.2007 10:16 

Am Mittwoch war der Rabe Raki eines Morgens nicht mehr da. Meine Kinder merkten es sofort und fragten gleich nach, wo er denn abgeblieben sei. Sie erkundigten sich bei mir und auch bei Lea nach seinem Verbleib. „Der kleine Rabe wollte eigentlich nur einen kurzen Ausflug machen und schnell zurückkommen. BriefgestaltungDoch dann ist das Unwetter losgegangen, bevor er zu Hause war“, erzählte Lea. „Ich vermute, dass er sich irgendwo untergestellt und Schutz gesucht hat“, ergänzte ich, „und bald wieder kommen wird.“ Das verstanden die Kinder. Sie erzählten, dass auch sie nass geworden oder die Eltern sehr vorsichtig mit dem Auto unterwegs gewesen waren. Alle fühlten mit dem Raben.
Doch auch am nächsten Tag war Raki nicht zurück. Immer wieder fragten die Kinder nach ihm, manche hatten die Hoffnung, er käme vielleicht nach der Pause zurück, andere meinten, ihn am Himmel gesehen zu haben.
Am Freitag war Raki dann plötzlich wieder an seinem gewohnten Platz in der Klasse. Die Kinder waren richtig erleichtert und hörten mucksmäuschenstill zu, als Raki von seinem Abenteuer berichtete:
Tatsächlich hatte er nur einen kurzen Rundflug machen wollen, als es plötzlich unheimlich anfing zu regnen. Raki hatte sich in einen Baum geflüchtet, doch der hatte im starken Wind so gewackelt, dass es ihm ganz schlecht geworden und er schließlich vom Baum geklettert war. Unten hatte ihn ein kleines Mädchen, Ela, patschnass gefunden und mit nach Hause genommen. Sie hatte ihn abgetrocknet und gefüttert. Dort durfte Raki bleiben, bis sich das Wetter gebessert und er zurück zu uns hatte fliegen können.
Nun wollte Raki Ela gerne einen Brief zum Dank schreiben, schließlich wäre er ohne sie bestimmt im Regen krank geworden. „Aber“, so Raki, „ich kann ja gar nicht schreiben. Könnt ihr mir nicht helfen, Ela einen Brief zu schreiben?“ Natürlich waren die Kinder sofort bereit.
Der Briefkasten stand schon vom ersten Schultag an in unserer Klasse und wartete eigentlich nur auf Post.
Wir besprachen, dass man auf einen Brief den Namen von demjenigen schreiben muss, der den Brief bekommen soll und dass es auch wichtig ist, den eigenen Namen zu notieren, damit der andere weiß, woher die Post kommt. Dann überlegten wir gemeinsam, was man schreiben könnte, um sich bei Ela zu bedanken.
Ich verteilte an jedes Kind einen Bogen, forderte die Kinder auf, ihr Anlautlineal auf den Tisch zu legen und sofort begannen alle zu schreiben.
Es war eine sehr intensive Arbeitsphase, in der Wörter in Dehnsprache, teilweise mit, teilweise ohne unsere Geste gesprochen, in der Buchstaben auf dem Anlautlineal gesucht und schließlich auf dem Bogen verschriftlicht wurden.
Die Kinder waren so vertieft in die Arbeit, dass viele noch in der Frühstückspause weiter schrieben. Ich wollte die Kinder nicht in ihrer Arbeit stören und so verlegten wir unser Frühstück kurzerhand auf nach der Hofpause.
Manche Kinder kamen zu mir und wollten wissen, was sie geschrieben hatten.
Ein Junge zeigte mir seinen Brief. Der Anfang war sehr deutlich zu lesen, am Ende standen einige Buchstaben, aus denen ich erst nach kurzem Überlegen entnahm, was er ausdrücken wollte. Er merkte diese kurze Pause und war unzufrieden, dass ich seinen Brief nicht problemlos lesen konnte. Mir war schon in früheren Arbeitsphasen aufgefallen, dass er etwas darunter litt, noch nicht alles so schreiben zu können, wie er es gerne wollte…Ich bestärkte ihn in seinem Brief und versicherte ihm, dass sich Ela ganz bestimmt sehr über seine Worte freuen würde. Danach schien es ihm etwas besser zu gehen.
Alle Kinder schrieben Texte, anders als bei der Montags- oder der Lonigeschichte, zu der viele Kinder noch sehr ausgiebig gemalt hatten. Ich denke, der Kontext und auch die ihnen schon aus dem Alltag bekannte Form eines Briefes veranlassten sie dazu, zu schreiben. Auch an der Gestaltung der Briefe wurde die Ernsthaftigkeit, mit der die Kinder bei der Sache waren, deutlich: Viele Schüler falteten den Bogen und gestalteten ihn auch von außen wie einen Brief, in dem sie Briefmarken zeichneten oder eine Spitze malten, die die Lasche eines Briefumschlages darstellen sollte. Ein Junge, der in einem Briefumschlag sein Kakaogeld mitgebracht hatte, nutzte den nun leeren Umschlag, um seinen Brief zu verschicken.
Alle Kinder warfen ihre Post nach und nach in den Briefkasten, nun warten wir auf Antwort von Lea!

Die Idee des Briefkastens in der Klasse kenne ich schon aus dem Studium. Sie hat mir von Anfang an gut gefallen, schon allein, weil ich aus eigener Erfahrung weiß, wie gerne man Post bekommt.
In dem Buch „Richtig schreiben lernen Schritt für Schritt“ fand ich diese Idee wieder, auch dort fliegt ein Vogel durch die Lande und transportiert so die Post.
Bei uns hat der Rabe Raki nun Anlass zum Schreiben gegeben, er transportiert die Post dieses Mal nicht, schließlich hat er gerade erst ein Flugabendteuer hinter sich und muss sich etwas ausruhen.
Da alle Briefe an Ela geschickt, kann sie einen Antwortbrief an die ganze Klasse schreiben. Für mich wird die Sache dadurch besser zu realisieren, da ich nicht 23 Briefe, an jedes Kind einen, verfassen muss.

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