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Der Rechtschreibwerkstatt-Blog minimieren

Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.

Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!

Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!



   
Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet minimieren
Sep 16

Erstellt von: DHoffmann
16.09.2007 10:22 

Im Studium besuchte ich ein Seminar, in dem ein Professor seine Ausführungen immer sehr anschaulich mit Videomaterial verdeutlichte und/oder Originalmaterial aus dem Unterricht mitbrachte.
In einer Sitzung zeigte er einen kurzen Film, in dem man ihn im Bänkchenkreis mit seinen Schülern sah. Er hielt nach und nach verschiedene Pflanzen hoch, die Kinder meldeten sich und benannten die einzelnen Pflanzen mit Namen. Diese ganze Phase dauerte nicht länger als fünf Minuten, dann ging es mit der „eigentlichen“ Stunde weiter. Mein Professor nannte diese Phase „5-Minuten-Biologie“. Der Hintergrund war folgender: Die Schule lag sehr ländlich und auf dem Schulhof wuchsen viele Pflanzen, einige davon waren giftig und mussten sehr vorsichtig behandelt werden. Da es unmöglich war, all diese Exemplare dauerhaft zu entfernen, mussten die Kinder anders geschützt werden – mit dem Wissen über die einzelnen Pflanzen und deren Gefahren. Mit dem morgendlichen Einstieg und der damit verbundenen ständigen Wiederholung der Pflanzen und ihrer Eigenschaften lernten die Schüler spielerisch die Charakteristiken der Pflanzen kennen und konnten auf Dauer ihr Wissen so sehr vertiefen, dass sie im Umgang mit den Pflanzen gar nicht mehr darüber nachdenken mussten
Auch aus der Mathematikdidaktik kennt man den Einstieg in den Unterricht mit Kopfrechnen, ebenfalls oft ungefähr fünf Minuten lang. Auch hier hilft die ständige Wiederholung von Aufgaben und Strukturen der Automatisierung.

Ich habe diese Phase auch in meinem Deutschunterricht eingerichtet, wir beginnen also immer mit „5-Minuten-Sprache“ unsere Rechtschreibwerkstattstunde.
In diesen ersten fünf Minuten klatschen wir einzelne Wörter in Silben oder suchen den Anlaut zu verschiedenen Bildern und Gegenständen. In dieser Zeit schreiben oder erlesen wir gemeinsam Wörter an der Tafel.
Heute habe ich zum ersten Mal auch die Lautkartei eingesetzt und mehrere Übungen zu „Anlaut hinzufügen“ gemacht. Es war ein kleines Experiment, da ich nicht sicher war, inwieweit eine solche, sehr abstrakte Aufgabe schon von den Kindern gelöst werden kann. Doch ich war überrascht: Sehr viele Kinder beteiligten sich aktiv an den Lautübungen und konnten durch gedankliches Hinzufügen eines Lautes neue Wörter bilden. Zwar waren noch nicht alle Schüler soweit, doch da in dieser Unterrichtsphase ja auch andere Übungen vorgekommen waren, hatten alle durch diesen Einstieg ihr sprachliches Wissen und den Umgang mit Sprache trainieren können.

Ich muss hinzufügen, dass diese Phase durchaus auch länger als fünf Minuten dauern kann, doch der Begriff „5-Minuten-Sprache“ ist durch meine Erfahrungen aus dem Studium für mich einfach so griffig, dass ich ihn trotzdem übernommen habe.

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