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Der Rechtschreibwerkstatt-Blog minimieren

Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.

Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!

Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!



   
Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet minimieren
Sep 16

Erstellt von: DHoffmann
16.09.2007 10:14 

3. Schulwoche, Montag: Montagskreis und Eigenfibel
Diese Woche begann ich von meinem Gefühl her wesentlich ruhiger als die letzte. Da ich letzte Woche gut mit meiner zeitlichen und stofflichen Planung zurecht gekommen war, fühle ich mich diese Woche wesentlich sicherer. Ich bin gut vorbereitet und überzeugt, in den nächsten fünf Tagen mit meiner Klasse ein gutes Stück voran zu kommen.

Der Montag begann, wie schon in der letzten Woche, mit dem Montagskreis. Zu Beginn des Gesprächskreises nannte ich zwei Regeln, die für die erste Zeit die wichtigsten sein sollten:
1. Ich spreche nur, wenn ich den Raki habe. (Diese Regel hatten wir zwar auch schon in der letzten Woche praktiziert, jedoch noch nicht so explizit formuliert.)
2. Wenn ich ein Kind zu seiner Wochenendgeschichte etwas fragen möchte, melde ich mich mit zwei Fingern. Das Kind darf mich dann dran nehmen.
Wir vereinbarten, heute besonders auf die erste Regel zu achten. Durch die Konzentration auf eine Gesprächsregel sollte die Einhaltung derer leichter werden. Insgesamt sollen diese vereinbarten und nach und nach eingeübten Gesprächsregeln den Kindern zu einer Gesprächskultur verhelfen. Die Möglichkeit der Intervention lässt ein Gespräch entstehen und verhindert, dass der Montagskreis nur eine Aneinanderreihung von Einzelerlebnissen ist, die nach einiger Zeit für den Einzelnen schwer zu verfolgen ist.
Dann begannen wir.
Wie am vergangenen Montag erzählten auch heute viele Kinder frei und ohne Ängste. Wieder brauchten einige erst eine Zeit des Zuhörens, bis auch sie etwas sagen wollten, doch in diesem Fall wanderte der Raki einfach wieder ein Stück zurück. So musste sich niemand gedrängt oder unter Druck gesetzt fühlen, wenn er den Raki bekam. Mir fiel auf, dass es den Kindern schon leichter fiel, auf den Raki in ihrer Hand zu warten und erst dann zu sprechen. Bild eines Trampolins
Zunächst meldete sich kein Kind mit zwei Fingern um eine Frage zu stellen. Also meldete ich mich immer wieder mit zwei Fingern und ließ mich von den Kindern dran nehmen. Ich wollte ihnen diese neue Regel demonstrieren und sie ermutigen, es mir nachzumachen. Sie fanden es offensichtlich amüsant, auf diese Weise einmal meine Rolle einzunehmen. Zwar hatten sie sich im Unterricht schon einige Male gegenseitig aufrufen dürfen, doch mich hatte bislang noch niemand drannehmen können. So ermutigt, meldeten sich im Laufe des Montagskreises auch drei Kinder und stellten ihren Mitschülern Fragen zu ihrer Montagserzählung.
Anschließend schrieben die Kinder wieder in ihre Eigenfibel.
Dieses Mal wollte ich stärker dazu anregen, nicht ausschließlich zu malen, sondern eventuell auch ein Wort zu schreiben. In der vergangenen Woche hatten wir bereits einige Wörter mit dem Anlautlineal geschrieben und ich hatte beobachtet, wie gerne die Kinder diese Arbeit getan hatten. Viele waren mit dem Anlautlineal schon recht vertraut und hatten keine Schwierigkeiten gehabt, einzelne Laute zu verschriften und so Wörter aufzuschreiben.
Ich wollte ihnen heute Mut machen, ihr Anlautlineal zu benutzen; wer jedoch trotz dieser Ermutigung weiterhin „nur“ malen wollte, sollte dies tun können.
Zur Erinnerung an all die Laute und Buchstaben wiederholten wir noch einmal den Anlautrap, schließlich lag das ganze Wochenende zwischen dem letzten Rap und dem heutigen Schultag. Es klappte sehr gut und ich musste nur noch an wenigen Stellen mitsprechen.
Tatsächlich nahmen viele Kinder das Anlautlineal zur Hand und schrieben, nachdem sie zum Wochenende gemalt hatten, einzelne Wörter über ihre Bilder.
Ich beobachtete meine Klasse. Alle arbeiteten sehr konzentriert: es wurden detaillierte Bilder gemalt, Wörter in Dehnsprache, begleitet von unserer Geste, gesprochen, in ihre Bestandteile zerlegt und diese wiederum auf dem Anlautlineal – oft mit Hilfe des Raps – gesucht.
Ein Mädchen saß vertieft über ihrem Buch und malte sich auf dem Trampolin. Als sie fertig war, begann sie zu schreiben – ohne dabei sehr oft auf ihr Lineal zu schauen. Nach einiger Zeit stand über ihrem Bild das Wort „TRAMPOLIN“. Ich sah ihren stolzen Blick auf ihre Arbeit – ich war sehr erstaunt über ihre Schreibleistung und fühlte in gewisser Weise einen ähnlichen Stolz wie sie.

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