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Der Rechtschreibwerkstatt-Blog minimieren

Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.

Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!

Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!



   
Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet minimieren
Sep 17

Erstellt von: DHoffmann
17.09.2007 12:07 

Die Lonigeschichte wird von meinen Schülern schon immer sehr erwartet und sie freuen sich immer sehr, wenn ihnen durch einen Blick auf den Tagesplan bewusst wird, dass schon wieder „Lonitag“ ist.Eigenfibel
So hörten sie auch heute die Geschichte von der kleinen weißen Ente, ihrem Freund, dem Hasen Lino, und dem Zwerg Otto mit Spannung. Manche Kinder bedauerten, dass die Geschichte nicht noch weiter ging und sie sich jetzt erst einmal eine Woche gedulden müssen, um zu erfahren, wie es den drei Gefährten weiter ergeht.

Insgesamt verlief der Lonitag wie immer: Ich las die Geschichte vor, die Kinder hörten gespannt zu, anschließend schrieben und malten alle in ihre Eigenfibel.
Doch was mir sehr wichtig zu berichten scheint, ist folgendes:
Ich habe in der letzten Woche unter dem Titel „Montagskreis, Eigenfibel und der Mut zum Schreiben“ von einer Schülerin berichtet, die über den Anspruch, den Schreiben an Lernanfänger stellt, fast etwas verzweifelte und sich nicht zutraute, ihre vielen Gedanken und Erlebnisse des Wochenendes aufzuschreiben und zu Papier zu bringen.
Heute beobachtete ich sie von Anfang an ganz gezielt unter diesem Aspekt und ging gleich zu Beginn der Schreibphase zu ihr. Wir hatten wie immer erst gemeinsam in der Klasse besprochen, was man zu der heutigen Geschichte schreiben konnte, das wollte ich jetzt mit ihr noch einmal wiederholen.
Da in der Geschichte von einem goldenen Zimmer die Rede gewesen war, wollte sie heute „Gold“ schreiben. Wir begannen gemeinsam die Abhörarbeit und so fand das Mädchen heraus, dass am Anfang des Wortes ein „G wie Gabel“ zu hören sei. Wir sprachen das Wort wieder gemeinsam vor – denn allein tat sie das nur sehr undeutlich und ich wollte für sie heute unbedingt ein Erfolgserlebnis, dass ihr klar vor Augen führte, dass sie auch schreiben kann.
Dann musste ich einmal zu einem anderen Schüler, als danach wieder zu ihr kam, hatte sie den Anfang des Wortes „Gold“ wegradiert und ein Wort aufgeschrieben, dass auch bei ihrer Nachbarin zu lesen stand. Dieses Wort passte nicht zu der heutigen Geschichte, da es noch von der letzten Montagsgeschichte stammte.
Ich fragte sie, warum sie denn ihr Wort wegradiert hätte, sie hätte doch heute „Gold“ schreiben wollen. Sie gab keine Antwort und ich forderte sie auf, weiter an ihrem eigenen Wort zu arbeiten und versicherte ihr, ihr zu helfen.
Darauf ließ sie sich ein und so schrieben wir gemeinsam das Wort. Nach einiger Zeit stand in ihrer Eigenfibel „Golt“. Ich lobte meine Schülerin ausdrücklich und als ich sie dabei ansah, kam ein sehr stolzes Lächeln auf ihr Gesicht. Nun wollte sie noch zu der Geschichte malen. Als ich nach einiger Zeit wieder bei ihr schaute, hatte sie das Wort, das sie aus der Eigenfibel ihrer Nachbarin übernommen hatte, wegradiert und die Stelle mit einem Bild zu der heutigen Geschichte ausgefüllt.

Offensichtlich hatte sie alleine wieder der Mut zum Schreiben und die Zuversicht in ihr Können verlassen. Erst meine Zuversicht in ihr Können, das ich ihr immer wieder und sehr deutlich bekundete, bewirkten, dass sie sich auf die Arbeit einließ und so schließlich das von ihr gedachte Wort zu Papier brachte.


Beim Schreiben fiel mir heute, zum wiederholten Mal, ein Schüler auf, der seine Texte in ganz besonderer Weise gestaltete: Er integrierte die Gespräche der Protagonisten, in dem er sie als wörtliche Rede wiedergab und/oder sie in seine Bilder mit Sprechblasen einbaute. Für ihn scheinen diese zwischenmenschlichen Geschehnisse das Wichtigste an der Geschichte zu sein.

Tags:

AW: 6. Schulwoche, Donnerstag: Lonigeschichte und Schreiben in die Eigenfibel

Liebe DHoffmann,

die Einblicke in deinen Unterricht, in die Arbeitsweise und Arbeitsergebnisse der Kinder sind - so finde ich - "GoLT" wert. Besonders überzeugend sind für mich die Beispielseiten aus den Eigenfibeln. Man kann zuschauen, wie die Kinder kreativ und konstruktiv arbeiten, wie sie Sprache und Schrift erobern, wie sie sich manches Wort erkämpfen. Den achtungsvollen Blick auf diesen Lernweg eines jeden Kindes finde ich bewegend und überaus wichtig.

Wichtig finde ich auch die Beobachtung, wie Kinder der Mut verlässt und sie dadurch die anfangs so große Motivation verlieren. Das zu erspüren, an ihre Fähigkeiten und ihre Entwicklung zu glauben und sie darin zu unterstützen fördert nicht nur die Schreibentwicklung, sondern auch das Selbstwertgefühl.

Viele Grüße

Christhart Vorländer

Von CV am   17.09.2007 19:52

AW: 6. Schulwoche, Donnerstag: Lonigeschichte und Schreiben in die Eigenfibel

Lieber Christhart Vorländer,

mir geht es genauso, wie du es in deinem Kommentar auch beschreibst und ich habe mich sehr über deine Zuschrift und den darin enthaltenen Zuspruch gefreut!

Viele Grüße,

Daniela Hoffmann

Von DHoffmann am   20.09.2007 18:35

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