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Der Rechtschreibwerkstatt-Blog
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Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.
Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!
Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!
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Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet
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Okt
29
Erstellt von:
DHoffmann
29.10.2007 19:41
Freitags habe ich in meiner Klasse das Glück einer Doppelbesetzung, d.h. ich bin zusammen mit einer Kollegin in meiner Klasse. Diese Stunde habe ich heute genutzt und die ersten Kinder mit meiner Kollegin in das Leseparadies, unsere Schulbücherei, geschickt. Ich hatte mich dort zuvor umgesehen und nach Büchern geguckt, die von der Lesestufe und vom Inhalt gut zu meinen Kindern passen und zahlreiche gefunden. (Da ich selbst noch nicht so lange an der Schule bin, hatte ich dies zwar vermutet, war mir aber nicht ganz sicher…) Die Kinder, die heute das erste Mal ins Leseparadies gegangen sind, haben mittlerweile schon viele der in der Klasse befindlichen Lesematerialien genutzt und brauchten jetzt einfach neues „Futter“.
Ich habe mich entschieden, meine Klasse sukzessiv in die Schulbücherei einzuführen. Zum einen haben alle Kinder so mehr Ruhe, wenn sie sich dort nach Büchern umschauen und zum anderen denke ich, dass auf die Weise für jeden der richtige Zeitpunkt gefunden werden kann, zu dem er dann auch tatsächlich ein Buch ausleihen kann, das er selbst lesen kann. Zwar findet man im Leseparadies auch Sachbücher, die durch ihre Bilder auch für Nicht-Leser sehr attraktiv und lehrreich sind, doch da wir solche Bücher durch themenbezogene Ausstellungen auch in der Klasse haben, empfand ich diesen Schritt nicht als unbedingt notwendig. In der Klasse finden alle Kinder viele Anregungen zum Lesen, die momentan vom Schwierigkeitsgrad noch passender sind. Der Ausblick, dass alle Kinder nach und nach ins Leseparadies gehen werden, machte es für meine übrigen Schüler sehr gut erträglich, heute in der Klasse zu bleiben – außerdem arbeiteten sie in der Zeit am Lesepass und diese Arbeit ist momentan ja, wie schon gesagt, sehr beliebt!
Tags:
AW: 10. Schulwoche, Freitag: Das erste Mal im Leseparadies
Liebe Frau Hoffmann, ich habe dieses Forum erst vor ein paar Tagen entdeckt und möchte mich zunächst erst einmal für Ihr tolles Tagebuch bedanken. Schreiben Sie bitte, bitte weiter daran. Da ich erst seit 2 Jahren in der Grundschule arbeite ( vorher Sek.1/Sek.2- Ge./Polit. Wltk. ) und so ohne Vorbereitung ( in Berlin ist alles möglich ) gleich eine 1. Kl. übernehmen musste, die ich auch bis zur 2. Kl. mit sehr viel Einsatz und Freude, aber auch unermesslichen Aufwand führte, verfolge ich Ihr Tagebuch mit grötem Interesse. Ich habe wieder eine 1. Kl. übernommen und wollte aus meinen ersten Erfahrungen heraus doch einiges anders machen, v.a. weil auch im nächsten Schuljahr der jahrgangübergreifende Unterricht kommt und in meiner kleinen Schule keiner so richtig darauf vorbereitet ist. Das Konzept von Norbert Sommer-Sumpenhorst kannte ich nicht, doch bei meinem Selbststudium bin ich auf vieles gestoßen, was diesem ähnelt. In den ersten Wochen habe ich auch sehr viele phonologische Übungen eingebaut. Das Material dafür habe ich zum Teil selber hergestellt, aber auch vieles selbst gekauft. In meiner Klasse gab es und gibt es auch wieder einen Klassenfreund, der mit uns lernt und mit einem Kind das Wochenende verbringt. Er heißt Anton ( eine Puppe aus der Sprachheilforschung ) und die Kinder entscheiden am Freitag ( nach gemeinsam erstellten Auswertungsregeln ) selbst, wer ihn mitnimmt und am Montag ( meist mit Foto ) dann erzählt, was er mit Anton erlebt hat. Mit meinem Briefkastenprojekt ( so habe ich es später einfach genannt ) habe ich auch tolle Erfahrungen gemacht. Anton war mal krank, musste einfach mal gewaschen werden, da kamen die Kinder selbst darauf, ihm einen Brief zu schreiben. So besorgte ich einen Briefkasten und so war der Anfang gemacht. Ich überlegte auch, wie soll ich denn alle Briefe beantworten und v.a. machte ich mir Sorgrn darum, dass die Kinder beim freien Schreiben sich dann vieles falsch einprägen würden, was ja dann schwer wieder zu korrigieren ist. Ich fand dann folgende Lösung, mit der ich leben konnte. Jeder bekommt gerne Post. Wir schreiben uns gegenseitig Briefe, die wir dann immer am Freitag uns gegenseitig vorlesen. Wer diesen mit "geheim" vermerkt , gibt ihn so an seinen Adressaten. Die Lehrerin korrigiert dann während des Vorlesens. Alle waren damit einverstanden. Da jeder sich dann noch etwas Besonderes einfallen lassen sollte, um dem Kind noch eine Freude zu machen, gab es sehr wenige geheime Briefe. Ich hätte nicht gedacht, dass viele Kinder gerne ihre Briefe volesen wollten. Anfangs waren es auch wenige Kinder, die sich daran beteiligten. Aber es wurden immer mehr. Es wurde dann zur Sebstverständlichkeit, dass wir gemeinsam dann Fehler korrigierten Keiner fühlte sich beleidigt, weil wir es ja gar nicht anders kannten. Das Wort "Korrigieren " führte ich sehr früh ein und es war immer ein Wort, dass positiv als Hilfe besetzt war. Dieses freie Schreiben hat vielen Kindern nicht nur Freude bereitet, sondern auch die Schreib-und Lesefertigkeiten erhöht und auch das soziale Miteinander gefördert. Durch das gemeinsame Korrigieren haben viele Kinder gelernt, neue Wörter richtig zu schreiben. Jetz sind sie in der 3.Klasse und viele schreiben gerne freie Texte. Nun heißt das nicht, dass ich nun keine Probleme habe. Mein größtes Problem, was ich nach wie vor habe, ist, dass ich zwar weiß, wo ich ungefähr am Ende des Jahres hin will, aber wenn ich einen Stoffverteilungsplan schreiben soll, dann verzweifle ich immer. Leider geht es mir in diesem Jahr wieder so. Natürlich habe ich die Pläne meiner beiden Kollegen auch schon im ersten Jahr gelesen, aber damit kann ich einfach nicht arbeiten. Als Neue und die auch noch von "oben " kommt, hat sie sowieso keine Ahnung, heißt es hinter meinem Rücken. Übrigens unterrichte ich ( außer Musik ) alle Fächer in meiner 1.Kl., das war auch in meinem 1. Einsatzjahr schon so. Nach langer Rechere und ich weiß nicht mehr, wie viele method.-didakt. Bücher ich über den Lese- Schreiblernprozess studiert habe, die mich mehr verunsichert als motiviert haben, bin ich nun von der Silbenmethode überzeugt. Im ersten Jahr habe ich ohne eine Fibel unterrichtet, obwohl ich von Volk und Wissen die Fibel " Meine Fibel" hätte nutzen können. In diesem Jahr arbeite ich nun mit dem Material "ABC der Tiere " vom Mildenberger Verlag, in Mathe mit dem "Einstern " von Conelsen. Leider habe ich keinen Vergleich oder ein kooperatives Miteinander, was ich mir sehr wünschen würde, da die Silbenmethode bei uns abgelehnt wird und meine Kollegen, was ich ja auch verstehe, jahrelang schon mit ihrem Material arbeiten.
Ich würde Sie sehr gerne etwas mehr zu Ihrem Konzept befragen. V. a. würde ich auch gerne ihre Meinung zu den Materialien erfahren.
Vielleicht könnte ich Sie mal anrufen ? Ich würde mich unsagbar sehr drüber freuen.
Nach vielen Jahren in der Mittel-und Oberstufe bereue ich es nicht, in der Grundschule jetzt zu sein, wenn es auch nicht mein Wunsch war, gleich eine 1. Klasse zu übernehmen. Die Liebe der Kleinen, die ich hier erfahre, habe ich vorher nicht gekannt, was mich immer wieder motiviert, auch neue Probleme überwinden zu wollen.
Nochmals vielen Dank für Ihr Tagebuch. Ich werde es mit Spannung weiter verfolgen.
Herzliche Grüße Martina
Von Anton am
05.11.2007 00:08
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AW: 10. Schulwoche, Freitag: Das erste Mal im Leseparadies
Liebe Martina!
Erst einmal vielen Dank für Ihren ausführlichen Kommentar und den darin enthaltenen Zuspruch! Ich habe mich sehr darüber gefreut!
Es ist selten, dass jemand aus dem Sek- Bereich in die Primarstufe wechselt und ich habe wirklich Achtung davor, dass Sie gleich mit einem ersten Schuljahr eingestiegen sind! Schade, dass Sie an ihrer Schule so wenig Zuspruch und Unterstützung erfahren und mit den vielen Dingen des Alltags eher alleine sind. Wir könne bestimmt einmal telefonieren, allerdings weiß ich noch nicht, wie wir am besten in Kontakt treten können... Vielleicht können Sie mir Ihre mail-Adresse geben und wir tausche darüber unsere Telefonnummern aus?
Mir geht es übrigens sehr ähnlich in bezug auf die Liebe der Kleinen! Ich mache jeden Tag dieselbe Erfahrung und merke immer wieder, welcher Reichtum meine Arbeit für mich ist und wie viel mir meine Kinder geben!
Herzlich, Daniela Hoffmann
Von DHoffmann am
05.11.2007 19:44
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AW: 10. Schulwoche, Freitag: Das erste Mal im Leseparadies
Hallo Martina, hallo Frau Hoffmann,
am einfachsten, Sie tauschen sich über Ihren Benutzernamen und die Funktion "Private Nachrichten" aus (nach Anmelden den Mauszeiger auf den Link "Forum" ziehen, dann auf "Private Nachrichten" klicken, neue Nachricht verfassen, Benutzer suchen, schreiben...
Wenn das nicht klappt, stellen wir gerne einen Kontakt her, schreiben Sie eine Email an info [at] rechtschreibwerkstatt.de
Viel Erfolg!
Von Rechtschreibwerkstatt-Administrator am
06.11.2007 08:42
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