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Der Rechtschreibwerkstatt-Blog minimieren

Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.

Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!

Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!



   
Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet minimieren
Nov 19

Erstellt von: DHoffmann
19.11.2007 18:22 

In meinem Jahrgang hatten wir uns für diesen Tag auch etwas überlegt und erarbeitet, mit dem wir den Astrid Lindgren – Tag im ersten Schuljahr gestalten wollten.
Wir hatten uns ein Buch ausgesucht, zu dem wir mit den Kindern ein Eigenes gestalten wollten.
Unsere Wahl fiel auf die Geschichte „Als Adam Engelbrecht so richtig wütend wurde“. Zum einen hat dieses Bilderbuch eine in sich abgeschlossene Geschichte, die nicht in irgendeiner Weise auf andere Teilgeschichten aufbaut und zum anderen ist auch inhaltlich gut ein Bezug zu den Kindern herzustellen.
Das Buch erzählt von einem eigentlich freundlichen Stier, Adam Engelbrecht, der an einem Ostersonntag plötzlich unglaublich wütend wird, lange Zeit über den Hof „seines“ Bauern tobt und niemanden an sich heran lässt. Der kleine Kalle, ein siebenjähriger Junge, spricht jedoch trotz allem ganz freundlich mit ihm und auf einmal lässt sich Adam Engelbrecht von ihm kraulen und an seinem Nasenring zurück in den Stall führen. Kalle wird von allen für seinen Mut und seine Hilfe belohnt und freut sich über seinen schönen Ostersonntag.

Unsere Idee war, ein Buch aus einem Blatt Papier zu falten, das die zentralen Szenen der Geschichte zeigt. Die Schüler gestalteten zunächst diese Bilder nach ihren Vorstellungen. Außerdem gab es Lesewörter, die die Kinder erlesen und dann an die entsprechenden Stellen im Buch klebten. Selbstverständlich konnte zu den einzelnen Szenen geschrieben werden, sodass jedes Kind anhand des eigenen Buches die gesamte Geschichte von Adam Engelbrecht lesen oder nacherzählen konnte.

Wir begannen am Astrid Lindgren – Tag mit der Lektüre des Buches.
Wir saßen beieinander im Sitzkreis und ich las die Geschichte bis zu der Stelle vor, an der Kalle beginnt, mit dem wütenden Stier zu sprechen. Diese Stelle war so spannend, dass zum einen Neugier, Vorfreude und Spannung für das Weiterlesen am nächsten Tag entstand, gleichzeitig war aber schon so viel passiert, dass es vieles zu arbeiten und zu besprechen gab.
Ich stellte den Kindern die Aufgabe mit den Lesewörtern an der Tafel vor, allen war nach einigen Probeläufen schnell klar, was nun zu tun war.
Dann bekam jedes Kind sein eigens kleines Buch. Alle Kinder blätterten erst einmal darin und irgendwie war eine gewisse Faszination zu spüren, als die Kinder die Bücher in der Hand hielten. Diese war auch in der Arbeit zu erkennen. „Male dein Buch ganz sauber aus. Gebe dir ganz viel Mühe. Dies wird dein eigenes Buch und das soll ganz besonders schön werden!“ Mit diesem Satz entließ ich meine Klasse in die Arbeit. Meine Kinder begannen und gaben sich wirklich sehr viel Mühe. Viele Bilder wurden sehr genau und exakt angemalt. Ein Junge kam nach einiger Zeit zu mir und meinte: „Guck mal, ich habe noch gar nicht über die Linie gemalt.“
Auch die Arbeit mit den Lesewörtern wurde sehr ernst genommen und machte meiner Klasse offensichtlich viel Freude, denn alle waren sehr ausdauernd und konzentriert dabei.
Schließlich sammelten wir gemeinsam Schreibideen für die einzelnen Seiten. Zwei Jungs hatten schon vorher mit dem Schreiben begonnen; ihnen war es offensichtlich ganz besonders wichtig, die Geschehnisse des Buches auch schriftlich festzuhalten.
So entstanden nach und nach 23 kleine Bücher über den wütenden Stier Adam Engelbrecht, der an einem Ostersonntag von einem kleinen Jungen beruhigt wurde und schließlich wieder brav in seinem Stall stand.

Donnerstag und Freitag gestalteten wir im Kunstunterricht noch ein Lesezeichen, das Adam Engelbrecht zeigt. Sein Schwanz ist ein geflochtener Zopf, der nun immer die Stelle im Bilderbuch der Kinder markieren kann, die ihnen besonders gut gefällt oder an der sie gerade mit Lesen oder Erzählen stehen geblieben sind.

Insgesamt haben wir drei Tage an unseren eigenen Bilderbüchern gearbeitet. Die Kinder sind sehr stolz auf ihre Werke.
Es ist interessant zu sehen, wie unterschiedlich die Ergebnisse der Kinder geworden sind. Manche Kinder haben sehr ausführliche Texte zu den einzelnen Szenen verfasst, andere dagegen eher in wenigen Worten die Geschehnisse notiert. Manche Kinder haben fast ausschließlich mit den Lesewörtern gearbeitet, auch dabei war der Grad der Unterstützung durch mich sehr unterschiedlich.
Doch alle Kinder haben gut gearbeitet und mit Freude an diesem kleinen Projekt teilgenommen.
Am Montag wird jeder sein eigenes Buch in den Händen halten und mit nach Hause nehmen können. Darauf freuten sich am Freitag schon alle Kinder.
Das Lesezeichen ist bereits zum Wochenende fertig geworden; wir legten es als Markierung in ein Heft und zwar genau an die Stelle, an der die Hausaufgaben zu finden sind.
Darüber mussten viele Kinder in der Klasse kichern!

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