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blog.rechtschreibwerkstatt.de
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Der Rechtschreibwerkstatt-Blog
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Seit Beginn des Schuljahres 2007/2008 berichtet in diesem "Tagebuch" (neudeutsch "Blog") eine Lehrerin aus dem Münsterland von Ihren Erfahrungen mit der Rechtschreibwerkstatt ab der ersten Klasse.
Nachdem auch das zweite Schuljahr bereits beendet ist, geht das Blog nun in die dritte Runde: Schuljahr 2009/2010!
Wir freuen uns sehr über Ihr reges Interesse und die netten Kommentare zu den einzelnen Einträgen!
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Letzte Sommerferienwoche, Sonntag: Alles ist wieder vorbereitet
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Dez
1
Erstellt von:
DHoffmann
01.12.2007 18:49
Ich habe in meiner Klasse eine Stunde speziell zum Lesen eingerichtet. Wir können an diesem Tag auch in das Leseparadies, unsere Schulbücherei, gehen. (Ich habe bereits in einem früheren Eintrag davon berichtet.)
Eigentlich ist diese Lesestunde immer freitags. In dieser Woche haben wir sie allerdings auf Donnerstag vorgezogen, da wir für Freitag, den eigentlichen Tag der Lesestunde, den Werkraum reserviert hatten, um dort an unserem Adventsdorf aus Ton weiter zu arbeiten.
Für den heutigen Tag hatte ich geplant, mir während der Lesestunde von einzelnen Kindern etwas laut vorlesen zu lassen. Zwar hatte ich durch die aktive Begleitung der Lesepassarbeit einen Eindruck und eine Vorstellung von den Lesefähigkeiten meiner Kinder und wusste ihr Lesevermögen und ihr Leseverständnis einzuschätzen, doch heute wollte ich mir ausführliche Notizen zu den Lesefähigkeiten meiner Schüler machen. Gerade während der Lesepassarbeit ist solch ein Vorgehen leicht möglich, da meine Klasse gerade mit diesen Materialien sehr sicher selbstständig arbeiten kann und wenig Hilfe von mir benötigt. Zudem waren wir am Donnerstag während dieser Zeit doppelt besetzt in meiner Klasse.
Bei diesem Vorlesen ging es mir nicht um ein „Abprüfen“ des Vorlesens an sich, sondern ich wollte einmal ganz bewusst nur für ein Kind da sein und mit ihm zusammen lesen.
Ich fand diese „Einzellesephasen“ sehr interessant. Mir wurde wieder einmal sehr deutlich, wie unterschiedlich Kinder lesen.
Ein Mädchen las immer ein Wort, bei dem man noch deutlich die einzelnen Laute erkannte, wiederholte dann aber nach jedem Wort dieses noch einmal flüssig. So verfuhr sie mit dem ganzen Satz. Anschließend sagte sie diesen in seiner vollen Länge flüssig, bevor sie mit dem Lesen des nächsten Satzes begann. Ein Junge nannte den Anlaut stets sehr deutlich, machte dann eine minimale Pause und las dann den Rest des Wortes recht flüssig. Am schwierigsten war es natürlich bei Plosiven im Anlaut. Plosiva sind nicht mit anderen Lauten zu verbinden, weil sie nicht, wie z.B. Dauerkonsonanten und Vokale, lang gezogen werden können. Dieser Junge konnte mit der kleinen Pause nach dem Anlaut mehrere Sätze erlesen. Ein anderes Mädchen las ebenfalls sehr selbständig, konnte jedoch die Einzellaute noch nicht gänzlich synthetisieren, sodass man auch bei ihr die Einzellaute eines Wortes noch gut heraushörte. Als ich sie nach dem Erlesen eines Satzes fragte, begann sie von neuem, den Satz auf die eben beschriebene Weise zu erlesen. Ihr fiel es also noch schwer, den gerade erlesenen Satz flüssig und in seiner Gänze zu wiederholen, wahrscheinlich, so denke ich, weil sie während des Leseprozesses noch sehr viel mit der Lesetechnik beschäftigt ist und sich deshalb erst in einem zweiten Schritt auf den Inhalt konzentrieren kann. Dennoch konnte sie inhaltliche Fragen beantworten, allerdings erst nach dem zweiten Lesen des Satzes. Ein vierter Junge konnte einzelne Sätze schon recht flüssig vorlesen, nur bei wenigen einzelnen Wörtern las er etwas stärker die Einzellaute. Das letzte Mädchen, das an diesem Tag mit mir las, konnte die einzelnen Wörter sehr zügig und in den allermeisten Fällen vollständig synthetisiert vorlesen. Allerdings konnte sie auch schon bei Schuleintritt lesen…
Ich werde bis zu den Weihnachtsferien mit diesen Einzellesephasen weitermachen, um so einen ganz detaillierten Einblick in den Lesestand meiner Schüler zu bekommen. Zudem finde ich es für mich sehr interessant, diese unterschiedlichen Entwicklungsstufen so deutlich vor Augen geführt zu bekommen.
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