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 16.04.2017 10:14
 

Lieber Graf Ortho, Liebe Frau Laut, 

es ist eine ältere Anekdote, die mir mein Papa mal erzählte - sein eigenes Erlebnis aus der Grundschulzeit. Damals waren die Lehrer überaus streng und nicht gerade humorvoll (Nachkriegszeit). Das ganze endete in seiner ganzen Ungerechtheit mit einer Strafe für meinen Vater! Hätte es doch damals schon die Möglichkeit gegeben Frau Laut und Herrn Ortho zu fragen!

Also: es ging um die Aussprache & Rechtschreibung von Wörtern auf “oe“. Beim Wort Windboe passierte es dann: Allgemeine Diskussion und mein Vater stellte damals seinem Lehrer die Frage warum so und nicht anders. Cleveres Argument von meinem Vater - “aber“ - nicht weit von seinem damaligen Zuhause in Norddeutschland gibt es einen Ort namens Laboe [Labö] aber auch die Stadt Bad Oldesloe [Oldeslo]... Seine Anmerkunge wurde als “frech“ beurteilt und es gab für ihn keine Antwort auf das beobachtete Phänomen sondern eine Strafarbeit... Er erinnerte das bis zu seinem Tod als ungerecht, denn die Frage war finde ich berechtigt.

Könnte ich stellvertretend die Frage an Euch richten? Ein älterer Beitrag im Forum hat mich an diese Geschichte erinnert. Boe und Laboe aber Bad Oldesloe.

Schöne Ostern von 3Aguila.

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 19.04.2017 01:02
 

Liebe Aguila,

ja, das Problem kenne ich auch. Ich wohne in Beckum. Fahre ich von hier aus ca 15 km nordöstlich, komme ich nach Oelde (gesprochen [œlde]). Wenn ich 19 km nördlich fahre erreiche ich Hoetmar (gesprochen [ho:tmar]. Im Urlaub war ich in den Niederlanden. Dort (wie auch in England) wird die Buchstabenfolge oe wie ein lang gesprochenes u [u:] gesprochen, z. B. in Hoek von Holland oder engl. toe = Schuh). Und dann fallen mir noch die Oboe und der Citroen ein. Diese Buchstabenfolge ist also in der Aussprache recht vielfältig.

Ich bin gespannt, was Graf Ortho hierzu sagt.

Viele Grüße

Norbert

 

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 08.05.2017 00:56
 
 bearbeitet durch sost  am 07.05.2017 23:58:58

Liebe Aguila, lieber Norbert,

da habt Ihr schöne Beispiele gefunden. Meine Prinzipienwächter haben nur kurz diskutiert und sie haben der Analyse von Norbert recht schnell zugestimmt.

Aber dann wurde es richtig schwierig, als Herr Wort und Herr Alt versuchten, umfassende Wörterlisten zu Wörtern mit oe, die unterschiedlich ausgesprochen werden, zu erstellen. Das ist sehr viel schwieriger, als zunächst gedacht. Vor allem die Sammlung von Namen mit oe ist gar nicht so einfach und viele Städte und Gemeinden haben auf ihre Anfrage nach der Aussprache der Ortsnamen noch nicht geantwortet.

Nun will ich euch nicht länger warten lassen. Auch wenn die Wörterlisten noch nicht fertig sind, so will ich euch doch schon die Analyse von Herrn Alt zur Verfügung stellen. Diese findet ihr hier auf der Wörterseite zum Buchstaben O/o.

Vielleicht schaffen es meine Prinzipienwächter ja bald, eine Wörterliste mit oe-Wörtern zu veröffentlichen.

Viele Grüße

Graf Ortho

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 21.05.2017 22:17
 
 bearbeitet durch sost  am 21.05.2017 21:18:48

Liebe Aguila, lieber Norbert,

meine Prinzipienwächter haben euch nicht vergessen. Immer mal wieder haben sie zwischendurch nach Wörtern gesucht, die mit oe geschrieben werden. In der Tat, es gibt nur sehr wenige Fremdwörter. Wir haben im deutschen Wortschatz nur 9 Wörter gefunden. Darüber hinaus gibt es noch ein paar Namen. Viele davon kommen auch in der Schreibung mit ö vor, wie z. B. Schroeder und Schröder.

Die meisten Wörter, die Herr Alt gefunden hat, sind Ortsnamen. In diesen Ortsnamen hat sich die alte Schreibung oe an Stelle von ö erhalten. Was allerdings die Aussprache betrifft, so müssen Frau Laut und Herr Alt bei vielen Orten passen.

Vielleicht kennt einer von euch ja einen dieser Orte und kann Frau Laut hier weiterhelfen. Scheibt mir einfach eine E-Mail oder einen Kommentar hier im Forum. Mich interessiert ob der Ort mit langem [o], mit langem oder kurzem <ö> oder ob die Buchstabenfolge oe getrennt gesprochen wird.

Viele Grüße

Graf Ortho

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 31.05.2017 15:04
 
 bearbeitet durch sost  am 31.05.2017 14:06:37

Guten Tag, Herr Joest,

vielen Dank für den Hinweis, dass es am Niederrhein und in Norddeutschland viele Familiennamen gibt, die mit oe geschrieben und mit lang gesprochenem [o:] gesprochen werden.

Neu war für meine Prinzipienwächter, dass es bei der Aussprache der Buchstabenfolge oe konfessionelle Unterschiede gab/gibt.

Ich gebe hier kurz zusammengefasst Ihre Hinweise wieder:

Im Rheiderland– einem Gebiet in Ostfriesland, das in der östlichen Hälfte in der BRD und in der westlichen Hälfte in den Niederlanden liegt – herrschte im östlichen Teil die evangelisch-lutherische und im westlichen Teil die calvinistische Konfession vor. Im evangelisch lutherischen Teil wurde die Buchstabenfolge oe – wie bei Luther – in der Kirchen- und Amtssprache wie ein langes [o:] gesprochen. Bei Calvin herrschte – im westlichen Teil – die Aussprache [u:] vor. Darüber hinaus gibt es auch noch die alte ostfriesische Aussprache [iau].

So kommt es, dass einige gleich geschriebene Namen, beispielsweise Poel in den Niederlanden [pu:l], im ostfriesischen Weserland [po:l], in der alten ostfriesischen Aussprache [piaul] und in anderen Landesteilen [pøːl] ausgesprochen wird. Gleiches gilt für Boer [bu:r], [bo:r], [biaur] oder Kroes [kru:ʃ], [kro:s], [krø:s] und andere Namen mit oe.

Viele Grüße

Graf Ortho

PS. Die Quelle sollte ich noch nennen: Ostfriesisches Namensrecht

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 21.06.2017 17:57
 
 bearbeitet durch sost  am 23.06.2017 23:17:45

Herr Wort hat sich einmal die Familiennamen, die mit oe geschrieben werden, genauer angesehen und bei verwandt.de die räumliche Verteilung nachgeschlagen. Die Ostfriesen liegen hier weit vorne. Ihr Name, Herr Joest, ist dagegen vor allem im Rheinland zu Hause.

Viele Grüße

Graf Ortho

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 24.06.2017 00:22
 
 bearbeitet durch sost  am 23.06.2017 23:26:59

Herr Wort hat sich noch einmal die Ortsnamen vorgenommen und eine Landkarte mit den verschiedenen Aussprachen der Ortsnamen angefertigt. Hier könnt ihr sehr schön sehen, dass die Aussprachen mit [ø:] und [œ] überwiegen. Nur sehr wenige Ortsnamen werden mit [o:] gesprochen. Diese Orte liegen in Westfalen und in Schleswig Holstein. Herr Wort hat bislang nur einen Ort gefunden, in dem oe getrennt gesprochen wird: Buchloe in Bayern. Die Landkarte von Herrn Wort findest du hier.

Viele Grüße

Graf Ortho

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 24.06.2017 17:17
 
 bearbeitet durch sost  am 24.06.2017 16:18:50

Die E-Mail von Herrn Joest hat Frau Fremd keine Ruhe gelassen.

Wenn es stimmt, dass die Buchstabenfolge oe in calvinistischen Regionen als [u:] und in lutherischen Landesteilen als [o:] gesprochen wird, dann müssten wir in den Niederlanden viele Namen mit oe, gesprochen als [u:] finden.“

Also hat Frau Fremd nach Fremdwörtern mit oe gesucht und sich hierfür einmal den Modellwortschatz vorgenommen. Hier ist Frau Fremds Liste mit Fremdwörtern.

Viele Grüße

Graf Ortho

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 25.06.2017 15:40
 
 bearbeitet durch sost  am 25.06.2017 14:41:30

Es hätte mich auch gewundert, wenn Herr Alt nicht auch noch etwas zu den oe-Wörtern sagen würde.

Er hat sich die niederländischen Wörter von Frau Fremd einmal genauer angesehen und die Zusammenhänge zwischen den Sprachen erforscht.

Etwas despektierlich war die Reaktion von Frau Kurz auf die Liste von Herrn Alt: „Das war ja klar: Klugscheißer!“ Na ja! Das war nicht die feine Art. Aber Herr Alt kennt ja Frau Kurz und hat nur milde gelächelt. Und Frau Kurz wäre nicht Frau Kurz, wenn sie sich anschließend nicht entschuldigt hätte.

Hier findet ihr die Liste zur Sprachgeschichte von Herrn Alt.

Damit sollte es dann auch genug sein mit den oe-Wörtern. Es gibt schließlich wichtigeres zu tun und zu erforschen.

Viele Grüße

Graf Ortho

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 28.06.2017 01:19
 

Was habe ich jetzt aus der Anregung von Aguila und der folgenden Diskussion gelernt?

  1. In den allermeisten Fällen wird im deutschsprachigen Raum die Buchstabenfolge oe wie ein langes [ø:] (z. B. Goethe) oder kurzes [œ] (z. B. Oelde) gesprochen. In einigen Regionen (Westfalen, Ostfriesland, Schleswig) wird ein langes [o:] (z. B. Soest) gesprochen. Selten wird oe auch getrennt gesprochen (z. B. Oboe).
  2. Die Schreibung von Wörtern mit oe ist eine Schreibtradition. Einerseits ist das <e> ein Längezeichen (westfälisches Dehnungs-e), andererseits kennzeichnet dieser Buchstabe einen Umlaut (oe statt ö). Diese tradierten Schreibungen kommen vor allem in Namen vor.
  3. Interessant fand ich den Zusammenhang zwischen Religion und Aussprache, die erneut deutlich macht, welch großen Einfluss die Bibelübersetzung von Martin Luther auf die deutsche Sprache und Schrift gehabt hat.
  4. Nicht zuletzt finde ich immer wieder neu den Verweis auf die gemeinsamen Wurzeln der europäischen Sprachen interessant. Vielleicht können solche Zusammenhänge das Erlernen einer Sprache erleichtern; vielleicht können sie auch Schüler(innen) Lust auf die in Europa gesprochenen Sprachen zu machen.

Viele Grüße

Norbert

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