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 25.06.2017 22:34
 

Sehr geehrter Graf Ortho,

ich würde gerne erfahren, mit welchem Schreibprinzip erklärbar ist, dass der kaum hörbare r- Laut in Begriff wie "Karte, Antwort, Birne," etc.  verschriftlicht wird. Ist dies mit einem Schreibprinzip oder ist es sprachhistorisch zu erklären?

 

Vielen Dank!

neuer Beitrag
 28.06.2017 00:51
 
 bearbeitet durch sost  am 28.06.2017 00:58:41

Liebe Karla,

zunächst zu dem Phänomen:

In der Regel wird in der deutschen Schriftsprache jedem gesprochenen Laut ein Buchstabe oder eine Buchstabengruppe zugeordnet. Diese regelhafte Laut-Buchstaben-Zuordnung gilt auch umgekehrt (Lernbereich LB = regelhafte Laut-Buchstaben-Zuordnung). Hierbei müssen einige Besonderheiten und Ausnahmen berücksichtigt werden (auf die ich hier jetzt nicht eingehe).

Eine logische Konsequenz aus diesem Grundprinzip (Lautprinzip) der deutschen Schriftsprache ist, dass die gesprochene Lautfolge eines Wortes in eine analoge Buchstabenfolge übertragen werden muss. Bei der Umkehrung gibt es in zwei Fällen die Besonderheit, dass wir einen geschriebenen Buchstaben nur in der Hochsprache (Theatersprache), nicht aber in der Alltagssprache sprechen:

  1. Silben trennendes h – Beispiele: bejahen [ˌbəˈjaːən], Ehe [ˈeːə], fliehen [ˈfliːən], drohen [ˈdroːən], Truhe [ˈtruːə], fähig [ˈfɛːɪç], Höhe [ˈhøːə], früher [frʏːɐ]

In der Regel wird das h nicht gesprochen. Aber – und das ist der Unterschied zum Dehnungs-h – können wir dieses „stumme h“ hörbar machen und [ˈeːhə] oder [ˈtruːhə] sprechen.
Mehr hierzu findest du auf der Geschichtenseite zum Silben trennenden h.

  1. vokalisches r – Beispiele: Arm [arm], gebären [gəˈbɛːrən], Erde [ˈeːrdə], Zwirn [tsvirn], Orgel [ˈɔrgəl], Behörde [bəhøːrdə], schlurfen [ˈʃlʊrfən], Würfel [ˈvʏrfəl]

In diesen Wörtern wird das r in der Normalsprache nicht gesprochen. In der Theatersprache dagegen wird es als deutliches r gesprochen.

Diese beiden Phänomene ordnen wir dem Lernbereich LD (= lautsprachliche Durchgliederung) zu.

Das vokalische-r wird regional sehr unterschiedlich gesprochen. In einigen Regionen wie ein a [ˈɔɐagəl] oder ein Schwa-Laut [ˈɔɐgəl], in anderen wie es ch [ˈɔxgəl] und in manchen wie ein gehauchtes r [ˈɔʁgəl].

Diese Aussprache hat sich über die Jahrhunderte entwickelt. Früher wurde das r meist als Zungenspitzen-r (gerolltes r) gesprochen. Vor einem Konsonanten ist dies allerdings sehr schwierig zu sprechen. So verflachte diese Aussprache, zunächst zu einem Rachen-r bis zur heutigen kaum wahrnehmbaren Aussprache.

Also:

Deine beiden Vermutungen stimmen beide. die kaum hörbare Aussprache ist sprachhistorisch zu erklären. Das Schreibprinzip kann als eine Besonderheit der Laut-Buchstaben-Zuordnung (lautsprachliche Durchgliederung = Lernbereich LD) erklärt werden.

Viele Grüße von Frau Laut und Herrn Alt

Graf Ortho

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