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ForumForumGraf OrthoGraf OrthoFragen an Graf ...Fragen an Graf ...Warum "lädt" mit "dt"?Warum "lädt" mit "dt"?
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 10.03.2006 22:04
 
Lieber Graf Ortho,

ein Schüler schrieb "läd", was mir gefühlsmäßig komisch vorkam. Ich war mir aber nicht sicher, ob nach der Neuen Rechtschreibung er Recht haben könnte. Ich fragte mehrere Kolleginnen, die sich ebenfalls unsicher waren, ob das Wort in der alten "lädt" und in der neuen Rechtschreibung "läd" geschrieben wird oder ob, schon immer "läd" geschrieben wurde. Im Schülerduden stand dann nur "lädst" in einem anderen Rechtschreibduden fanden wir dann "lädt" und die Schüler freuten sich, dass ich als der Rechtschreibmensch mich hatte verunbsichern lassen.
Auch habe ich kein vergleichbares Wort gefunden (baden --> er badet). Vielleicht kann man es ja mit "geben - er gibt" vergleichen. Somit wird das "t" an den Wortstamm rangehängt, aber es ist eben nicht hörbar. Aberf dann müsste es doch auch heißen "er rätt" statt "er rät".

Grüße Wolfgang

:smile:
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 13.03.2006 17:43
 
Lieber Wolfgang,

Herr Wort hat bei deiner Frage gleich geschmunzelt und gemeint: „Da haben die Kinder ja glatt eine Stecknaldel im Heuhaufen gefunden. Will sagen: Das ist die einzige Ausnahme von den Ausnahmen zu einer Besonderheit.“
Da staunte selbst Frau Kurz. Denn eigentlich sind wir in der Rechtschreibwerkstatt von Herrn Wort nicht so eine direkte und knappe Antwort gewöhnt. Sonst umschreibt er seine Erläuterungen viel wortgewaltiger. „Bitte Herr Wort, das ganze für mich einmal ganz langsam und Schritt für Schritt,“ war die verdutzte Antwort von Frau Kurz.

„Also gut. Normalerweise ersetzen wir bei Verben in der 3. Person Einzahl die Endung en der Grundform durch ein t. Beispiel: schreiben – er schreibt, rufen – er ruft. Das ist die Regel.

Bei manchen Wörtern ergänzen wir jedoch in der 2. und 3. Person zusätzlich ein e. Das ist immer der Fall, wenn der Verbstamm auf d oder t endet. Beispiele: beten – er betet, reden – er redet. Das ist die Besonderheit.

Diese e-Erweiterung entfällt bei unregelmäßigen Verben mit e/i Wechsel oder Umlaut im Präsens. Zusätzlich entfällt in der 3. Person Einzahl auch noch das t, weil wir sonst zwei tt schreiben müssten. Das ist die Ausnahme. Endet der Verbstamm jedoch auf d, so wird das t in der 3. Person Einzahl doch geschrieben (weil es hier ja keine Verwechslung mit einem Doppelkonsonanten gibt). Das ist die Ausnahme von der Ausnahme.

Hierzu gibt es im Wortschatz der deutschen Gegenwartssprache nur zehn Wörter, vier Wörter mit Umlautung und sechs mit i/e Wechsel:

braten - du brätst - er brät
halten - du hältst - er hält
laden - du lädst - er lädt
raten - du rätst - er rät
bersten - du birst - er birst
fechten - du fichtst - er ficht
flechten - du flichtst - er flicht
gelten - du giltst - er gilt
schelten - du schiltst - er schilt
treten - du trittst - er tritt


Bei diesen zehn Wörtern ist nur eines mit d am Ende des Verbstammes. Das ist die Nadel im Heuhaufen, die die Kinder gefunden haben.“

Nun, lieber Wolfgang, da kann man nur staunen, was die Kinder so alles an Stecknadeln in der Rechtschreibung finden.

Einen herzlichen Gruß

Graf Ortho
neuer Beitrag
 13.03.2006 18:30
 
Lieber Wolfgang, lieber Graf Ortho,

da kann man mal sehen, wie sehr uns die erneuerte neue Rechtschreibung beschäftigt...

Ich habe mir mal von einem Flohmarkt einen alten Duden mitgebracht, den ich übrigens noch weiterhin verwende, um die Sprachveränderungen zu beoabachten.
Dieser Duden von 1957 ließ zu der Hauptform
du ludst
noch folgende Variante im Prät. zu: du ludest.
Der Duden von 2004 - auch schon bald ein Flohmarktexemplar -lässt jedoch diese Nebenform nicht mehr zu. Jedoch gibt dieser Duden einen anderen Hinweis zu laden (einladen): "du lädst, er / sie lädt (veraltet, aber noch landschaftlich du ladest, er ladet...)

Hier dem Volk "aufs Maul geschaut" macht deutlich, dass die Ausnahme, von der du, Graf Ortho gesprochen hast, ihre Bestätigung findet.
Hätten die Kinder in die Ausgabe von 1957 geschaut, hätten sie die Sicherheit im Prät. gehabt: Du ludest. Und auch 2004 hätten sie nicht allein dagestanden, da ihnen im Präsens eine Sicherheit angeboten worden wäre.
Das führt mich zu der Frage, ob deine Kinder verschiedene WB haben, die sie eventuell zu verschiedenen Ergebnissen kommen lassen?

Interessant ist auch, welchem Lernbereich diese Verschreibung zugeordent werden kann. Ich bin der Meinung, dass Kinder auch bei Verben mehr über deren Aufbau (Stamm, Endungen) wissen müssen, um zu erkennen, warum d oder / und t geschrieben wird.

Es ist mir hier nicht mit LB (lät?) und auch nicht mit WU (läd weil laden?) geholfen.

Gehören in deine Liste nicht auch die Verben bersten und schelten, Graf Ortho?


Mit herzlichen Grüßen

ANNEK
neuer Beitrag
 13.03.2006 21:40
 
Liebe Anne,

vielen Dank für den Hinweis. Ich habe die Liste von Herrn Wort um die beiden Wörter ergänzt.

Viele Grüße
Graf Ortho
neuer Beitrag
 15.03.2006 17:12
 
Liebe Anne, lieber Graf Ortho,

vielen Dank für die schnelle und ausführliche Beantwortung meiner Frage. Ich werde sie an die Schüler weiter leiten und mit ihnen besprechen.

Grüße Wolfgang

:smile:
neuer Beitrag
 16.03.2018 14:15
 

Hallo zusammen,

wieso ist es dann gegenüber "er/sie/es lädt" zulässig, "er/sie/es badet" zu schreiben, wenn doch der Wortstamm beider Verben identisch auf -d endet? Sie bringen also beide mit dem auf -d endenden Wortstamm die die Grundbedingung mit, die "Ausnahme der Ausnahme" zu sein.

Die Argumentation müsste ja für beide Verben greifen.

laden - baden

lädt  - badet

 

 

Neugierige Grüße

Sebastian

neuer Beitrag
 18.03.2018 14:49
 
 bearbeitet durch sost  am 18.03.2018 16:01:14

Lieber Sebastian,

die Sache ist folgende:

  • Wenn wir bei einem Verb die Endung „en“ weglassen, erhalten wir den Wortstamm.
    Beispiel: fragen – der Wortstamm ist „frag“
  • In der Regel bleibt der Wortstamm bei allen Ableitungen erhalten.
  • Verben, bei denen sich der Wortstamm in den Ableitungen nicht ändert nennen wir „schwache Verben“.

Das ist die Regel. Nun gibt es einige Besonderheiten bei den schwachen Verben.

  • Wenn z. B. der Wortstamm eines schwachen Verbs mit „d“ oder „t“ endet, dann wird in einigen Ableitungen ein „e“ eingefügt, um das Wort besser sprechen zu können. Die e-Erweiterung wird immer dann eingefügt, wenn die Endung mit „t“ beginnt (z. B. frag-te, bad-e-te). Das ist in der 2. Person (Einzahl und Mehrzahl = du, ihr) und 3. Person (Einzahl = er, sie, es) und in allen Vergangenheitsformen der Fall.

Als Beispiel habe ich dir in der folgenden Tabelle zwei schwache Verben nebeneinander gestellt. Das Wort „fragen“ wird regelhaft gebildet, beim Wort „baden“ wird bei einigen Ableitungen ein „e“ eingefügt. Die e-Erweiterung habe ich rot und fett markiert. So kannst du sehen, dass die Grundform in allen Ableitungen erhalten bleibt.

 

Gegenwart (Präsens)

Vergangenheit (Präteritum)

Grundform

(wir) fragen

(wir) baden

(wir) fragten

(wir) badeten

ich

frag-e

bad-e

frag-te

bad-e-te

du

frag-st

bad-e-st

frag-test

bad-e-test

er, sie, es

frag-t

bad-e-t

frag-te

bad-e-te

wir

frag-en

bad-en

frag-ten

bad-e-ten

ihr

frag-t

bad-e-t

frag-tet

bad-e-tet

sie

frag-en

bad-en

frag-en

bad-e-en

Der Wortstamm bleibt auch in anderen Formen (z. B. Imperativ, Partizip, zusammengesetzte Zeiten) erhalten. Diese Formen lasse ich hier einmal weg.

Das ist die Regel für alle schwachen Verben, deren Wortstamm mit „d“ oder „t“ enden.

Nun gibt es aber auch einige Verben, bei denen sich der Wortstamm in den Ableitungen ändert. Diese Verben nennen wir „starke Verben“. (Diese Verben sind so stark, dass sie sich ändern können.) Auch hierzu wieder zwei Beispielwörter; blau sind die Vokalwechsel und rot die e-Erweiterungen markiert.

 

Gegenwart (Präsens)

Vergangenheit (Präteritum)

Grundform

(wir) laufen

(wir) raten

(wir) liefen

(wir) rieten

ich

lauf-e

rat-e

lief

riet

du

läuf-st

rät-st

lief-st

riet-st, riet-e-st

er, sie, es

läuf-t

rät

lief

riet

wir

lauf-en

rat-en

lief-en

riet-en

ihr

lauf-t

rat-e-t

lief-t

riet-et

sie

lauf-en

rat-en

lief-en

riet-en

 

Lieber Sebastian,

an den beiden Tabellen kannst du sehen, dass sich die starken Verben nicht an die Regeln halten. Mal ändern sie den Vokal und manchmal auch die Endung. Das hat sich im Laufe der Jahrhunderte so entwickelt.

Vielleicht erstellen Herr Wort und Herr Alt dir einmal eine Liste mit den starken Verben und den Besonderheiten bei den schwachen Verben.

Viele Grüße

Graf Ortho

neuer Beitrag
 18.03.2018 16:27
 
 bearbeitet durch sost  am 18.03.2018 17:29:35

Lieber Sebastian,

wenn du in der Schule mit den Wörterkarten des Modellwortschatzes arbeitest, dann findest du auf der Rückseite der Karteikarten die verschiedenen Verbformen aufgeführt.

Viele Grüße

Norbert

neuer Beitrag
 19.03.2018 12:20
 

Lieber Sebastian,

ja, es stimmt: Der Indikativ des Präsens wird bei regelmäßigen und unregelmäßigen Verben gebildet, indem an den Stamm des Verb folgende Personalendungen angehängt werden:

-e, -st, -t, -en, -t, -en.

Der Stamm deiner Verben endet auf -d. Damit trifft das zu, was du schreibst: In der 2. und 3. Person Singular und in der 2. Person Plural wird zwischen Stamm und Personalendung ein -e- eingefügt, da der Stamm in diesem Fall auf -d endet. 

Damit erreichst du: du badest, er badet, ihr badet. Die Welt ist in Ordnung. Hingegen ich bei laden nur die 2. Person Plural korrekt erwerbe: ihr ladet. Du ladest und er ladet passen nicht.

Warum?

Bei diesem Verb ändert sich der Stamm genau bei diesen Personen du und er. Ist das der Fall, dann kommt es bei genau diesen Personen nicht! zu einer e-Erweiterung: du lädst, er lädt.

Jedoch bleibt die e-Erweiterung bei ihr entsprechend der Regel erhalten: ihr ladet.

Mit herzlichen Grüßen

ANNEK

neuer Beitrag
 25.03.2018 23:49
 
 bearbeitet durch sost  am 09.04.2018 19:50:54

Liebe Anne,

vielen Dank für deine klärende Antwort.

Ein wenig fachgesimpelt:

a)     Endet der Präsensstamm eines Verbs auf „d“ oder „t“, so wird in der 2. und 3. Person Sindular vor der Endung ein „e“ eingefügt (e-Erweiterung). Beispiel: du bind-e-st, er bind-e-t.

b)     Ändert sich in der 2. und 3. Person Singular der Vokal (Ablaut oder Umlaut), so entfällt diese e-Erweiterung. Beispiel: du läd-st, er läd-t.

So weit so gut!

Bei solchen Aussagen interessiert mich: Ist das immer so!?

Ich habe mir die starken Verben einmal angesehen.

a) Regelhaft mit e-Erweiterung:

Infinitiv

ich

du

er/sie/es

wir

ihr

sie

bieten

biete

bietest

bietet

bieten

bietet

bieten

binden

binde

bindest

bindet

binden

bindet

binden

bitten

bitte

bittest

bittet

bitten

bittet

bitten

empfinden

empfinde

empfindest

empfindet

empfinden

empfindet

empfinden

finden

finde

findest

findet

finden

findet

finden

gleiten

gleite

gleitest

gleitet

gleiten

gleitet

gleiten

leiden

leide

leidest

leidet

leiden

leidet

leiden

meiden

meide

meidest

meidet

meiden

meidet

meiden

reiten

reite

reitest

reitet

reiten

reitet

reiten

scheiden

scheide

scheidest

scheidet

scheiden

scheidet

scheiden

schinden

schinde

schindest

schindet

schinden

schindet

schinden

schneiden

schneide

schneidest

schneidet

schneiden

schneidet

schneiden

schreiten

schreite

schreitest

schreitet

schreiten

schreitet

schreiten

schwinden

schwinde

schwindest

schwindet

schwinden

schwindet

schwinden

senden

sende

sendest

sendet

senden

sendet

senden

sieden

siede

siedest

siedet

sieden

siedet

sieden

spalten

spalte

spaltest

spaltet

spalten

spaltet

spalten

streiten

streite

streitest

streitet

streiten

streitet

streiten

wenden

wende

wendest

wendet

wenden

wendet

wenden

winden

winde

windest

windet

winden

windet

winden

b) Regelhaft ohne e-Erweiterung nach Vokalwechsel:

Infinitiv

ich

du

er/sie/es

wir

ihr

sie

bersten

berste

birst

birst

bersten

berstet

bersten

braten

brate

brätst

brät

braten

bratet

braten

fechten

fechte

fichtst

ficht

fechten

fechtet

fechten

flechten

flechte

flichtst

flicht

flechten

flechtet

flechten

gelten

gelte

giltst

gilt

gelten

geltet

gelten

halten

halte

hältst

hält

halten

haltet

halten

laden

lade

lädst

lädt

laden

ladet

laden

raten

rate

rätst

rät

raten

ratet

raten

schelten

schelte

schiltst

schilt

schelten

scheltet

schelten

treten

trete

trittst

tritt

treten

tretet

treten

Übrig bleibt nur ein starkes Verb, das zugleich in der 2. Person Singular nicht regelhaft gebildet wird:

Infinitiv

ich

du

er/sie/es

wir

ihr

sie

werden

werde

wirst

wird

werden

werdet

werden

Fazit: Auch viele starke Verben werden im Präsens regelhaft gebildet.

Liebe Grüße

Norbert

neuer Beitrag
 26.03.2018 14:19
 

Lieber Norbert,

das ist tatsächlich spannend. Vielen Dank für deine Antwort.

Diese Formen sind wahrlich kompliziert zu konjugieren. Ich glaube, dass nicht jeder Muttersprachler über diese Brücke geht: Schauen wir uns nur einmal flechten und fechten an. Wahre Zungenbrecher in der 2. Person:)

Abschließen möchte ich mit dem Gedanken, dass sich Sprache (in diesem Fall) sehr besonnen und nicht an allen Positionen gleichzeitig ändert. An deinen Tabellen kann man sehr schön sehen, dass Veränderungen entweder nur in der Endung (siehe a) oder nur im Stamm vorkommen (siehe b). Das ist sicherlich für Nicht-Muttersprachler eine entlastende Sprachinformation.

Die Aufmerksamkeit des Sprechers und des Schreibers würde wahrscheinlich zu sehr in Anspruch genommen und entsprechend Fehler produziert werden, wenn es an allen "Fronten" zu Veränderungen käme.

Passiert das, wie z. B. bei werden, dann kommt es zu Schwierigkeiten. Sogar gestandene Kollegen fragen dann danach, ob die 3. Person Sgl. auf -d oder -t endet.

Aber fechten und flechten stellen uns auch vor entsprechende Herausforderungen. Man probiere es aus.

Mit herzlichen Grüßen

ANNEK

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