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ForumForumGraf OrthoGraf OrthoFragen an Graf ...Fragen an Graf ...Warum heißt es: das Mädchen?Warum heißt es: das Mädchen?
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 27.02.2008 19:22
 

 

Lieber Graf Ortho,

wir, die Tigerentenklasse 2d der Katharinenschule in Straelen haben heute über die Artikel gesprochen. Dabei haben wir herausgefunden, dass "die" immer für weiblich, "der" immer für männlich und "das" meistens bei Sachen wie Spiel usw, also bei Sachen gebraucht wird. Beim Suchen von Nomen und deren passenden Begleitern ist uns nun aufgefallen, dass der Artikel von Mädchen aber "das" ist. Aber Mädchen sind doch weiblich! Also müsste es doch eigentlich heißen: die Mädchen (Einzahl und Mehrzahl). Wie erklärst du dir das? Und uns? Außerdem haben wir noch die Frage: Warum ist der Tisch männlich und nicht sächlich?

Liebe Grüße - auch an deine Prinzipienwächterr

die Tigerentenklasse 2d aus Straelen

neuer Beitrag
 27.02.2008 22:30
 

Liebe Kinder der Tigerentenklasse,

das ist wirklich eine interessante Frage. Woher kommt eigentlich das Geschlecht der Wörter? Und warum passt das manchmal nicht zum natürlichen Geschlecht des Wortes? Und warum haben Gegenstände ein Geschlecht?

Herr Alt war heute richtig gut drauf. Als ich meinen Prinzipienwächtern eure Frage vorlas hat er gleich geschmunzelt und gemeint: „Ja, nun müsste man wissen, wo das Wort Mädchen herkommt. Dann ist die Lösung nämlich ganz einfach.“

„Und?“ war die etwas genervte Frage von Frau Kurz. „Können Sie es ganz kurz beantworten? Oder brauchen Sie hierfür wieder Ihre dicken Bücher und viel Zeit?“

Herr Alt: „Das Mädchen ist abgeleitet von dem Wort Magd.“

Herr Wort ergänzte: „ Das Wort ist weiblich, also die Magd.“

Herr Alt: „Richtig! Und eine kleine Magd ist ein Mägdlein.“

Herr Wort: „Das ist sächlich: das Mägdlein. Genauso wie das Kind.

Herr Alt: „Die norddeutsche Entsprechung für die Magd ist das Wort Maid. Beide Wörter sind von dem althochdeutschen maget abgeleitet und war die Bezeichnung für eine Jungfrau, eine junge unverheiratete Frau.“

Herr Wort: „Und eine kleine Maid ist ein Maidchen oder Mädchen, also auch sächlich: das Mädchen.

Frau Kurz: „Wie ist es mit dem Tisch?“

Herr Wort: „Nun, das ist sehr viel komplizierter. Um das zu erklären brauchen wir etwas mehr Zeit. Hierzu müssen wir den Unterschied zwischen dem grammatischen und dem natürlichen Geschlecht eines Wortes erklären.“

Frau Kurz: „Nein, nicht jetzt. Dafür ist es schon viel zu spät.“

Liebe Kinder der Tigerentenklasse! Für die Beantwortung des zweiten Teils eurer Frage müsst Ihr euch noch etwas gedulden.

Aber Ihr könnt meinen Prinzipienwächtern ja ein wenig helfen. Sammelt doch einmal Wörter, bei denen das grammatische Geschlecht (der, die, das) nicht mit dem natürlichen Geschlecht (männlich, weiblich, sächlich) übereinstimmt. Beschränkt euch hierbei zunächst auf Namen für Lebewesen. Könnt ihr hier größere Gruppen finden, die mit einem bestimmten Geschlecht verbunden sind.

Beispiele: das Tier. Sind Tiere sächlich? Welche sind es nicht?
Oder: die Blumen. Sind Blumen weiblich? Welche Blumen sind es nicht?
Oder: die Insekten. Sind Insekten weiblich? Welche Insekten sind es nicht?
...

Vielleicht finden wir ja gemeinsam allgemeine Lösungen und einige Ausnahmen, die dann von meinen Prinzipienwächtern bearbeitet werden können.

Herzliche Grüße

Graf Ortho

neuer Beitrag
 02.04.2008 19:01
 

Lieber Graf Ortho,

wir haben dir vor den Osterferien unsere langen Listen mit den Tieren und Blumen zugeschickt. Wir hoffen, wir haben euch schon viel Arbeit abgenommen. Nun warten wir sehnsüchtig auf eine Antwort! Aber vielleicht wart ihr ja auch in Ferien und habt euch erstmal erholt.

Übrigens: Das war die beste Rechtschreibstunde, die wir bisher in unseren 2 Jahren hatten. Wir kamen uns vor wie richtige Forscher.

Liebe Grüße aus Straelen

die Tigerenten der Katharinenschule

neuer Beitrag
 03.04.2008 00:21
 
 bearbeitet durch sost  am 06.04.2008 15:51:37

Liebe Kinder der Katharienenschule,

vielen Dank für eure Wörterlsiten. Das ist ja großartig, was ihr hier gesammelt habt.

Ihr müsst noch etwas Geduld haben. Herr Wort ist leider erkrankt. Es geht ihm aber schon wieder besser und ich bin sicher, dass er sich in einigen Tagen mit euren Wörterlisten beschäftigen wird.

Viele Grüße

Graf Ortho

neuer Beitrag
 18.05.2008 18:08
 
 bearbeitet durch rs.admin  am 18.05.2008 22:46:06

Liebe Kinder der Katharinenschule,

ihr seid hier auf eine ganz interessante und widersprüchliche Sache der deutschen Sprache gestoßen.

Herr Wort hat lange versucht, irgendeinen logischen Zusammenhang zwischen dem grammatischen Geschlecht und dem natürlichen Geschlecht eines Wortes zu finden. Dafür hat er viele Wörterlisten miteinander verglichen und auch eure Wörterlisten mit verarbeitet. Aber – wie zu erwarten war – es gibt keinen durchgängigen Zusammenhang. Allenfalls einige Tendenzen.

Hier findet ihr eine vorläufige Bewertung von meinen Prinzipienwächtern.

Tja, damit ist Herr Wort nach vielen Analysen zum gleichen Ergebnis gekommen wie ihr. So kann es Forschern gehen. Da arbeitet und sucht man und am Ende kommt das heraus, was man im Prinzip schon vorher wusste.

Vielleicht setzt sich ja irgendwann einmal der Vorschlag von Herrn Wort durch und wir sprechen im Zusammenhang mit den Nomen nicht mehr von „Geschlecht“, sondern von Nominalklassen oder von R-, E- und S-Klassen. So weit wie Frau Kurz möchte ich allerdings nicht gehen.

Viele Grüße und weiterhin viel Erfolg beim Aufspüren von Besonderheiten der deutschen Sprache und Schreibung.

Graf Ortho

neuer Beitrag
 18.05.2008 20:02
 
 bearbeitet durch Marizi  am 18.05.2008 20:08:27
Lieber  Graf Ortho,
danke für den witzigen und informativen Beitrag zur Geschlechterfrage und den Nominalklassen. Frau Kurz hat mit feministischer Linguistik wohl nicht viel am Hut, wie...?

Viele Grüße,
Marianne
neuer Beitrag
 21.05.2008 11:58
 

Liebe Marianne,

ich glaube fast, dass Frau Kurz eine "radikale feministische Linguistik" vertritt. Vielleicht will sie mit ihrem Vereinfachungsvorschlag die Geschlechter der Nomen gänzlich abschaffen. Übrig bliebe nur noch die E-Klasse. Zum Glück widerspricht das unserem Sprachgespür, sodass sich eine solche Reduzierung wohl auch in hundert Jahren nicht durchsetzen wird.

Viele Grüße

Norbert

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