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 15.07.2016 23:00
 
 bearbeitet durch sost  am 09.02.2017 18:57:04

Mein Sohn (Ende 3. Klasse) verschreibt sich immer wieder. Bsp. “Mench“ statt Mensch aber “Mädschen“ statt Mädchen. An was kann das liegen?

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 02.09.2016 11:37
 

Liebe Aguila,

lass mich raten: Wohnt Ihr im Rheinland? Im Rheinland und im Moselfränkischen ist für viele Menschen die sprachliche Unterscheidung von ch und sch schwierig. Hier ist es nicht ungewöhnlich, dass es zu Verwechslungen in beide Richtungen kommt.

In diesen Regionen besteht die Tendenz, den hellen ch-Laut [ç] (mehr hierzu findest du auf meiner Buchstabenseite) wie ein sch [∫] zu sprechen. Beilspiele: isch, sisch, Pesch, rieschen, Milsch, Teisch, Mönsch, Storsch.

Natürlich kennt man auch im Rheinland und an der Mosel den sprachlichen Unterschied zwischen dem hellen ch-Laut [ç] und sch [∫]. Wenn ein Rheinländer ganz besonders darauf achtet, hochdeutsch zu sprechen, kommt es schnell zur Übergeneralisierung (der Fachbegriff hierfür ist Hyperkorrektur) und kurioser Weise zur umgekehrten Verwechslung. Beispiele: Fich, wachen (anstatt waschen), Fleich, falch, Menchen.

Interessant wird es bei Wörtern, die sowohl mit ch als auch mit sch vorkommen Aber davon gibt es nur sehr wenige. Beispiele: Arch(e) statt Arsch, KircheKirsche, Gicht – Gischt, keuchen – keusch(en), Männchen – Menschen.

Lustig ist es, wenn nach einem dunklen Vokal ein heller ch-Laut gesprochen wird. Kuchen – kuschen, Lache – Lasche, Lauch – lausch(en), lachen – Lasche, nach – nasch(en), Rachen – rasch, rauchen – rauschen, tauchen – tauschen, Tuch – Tusch, wachen – waschen.

Also: Wenn du im Rheinland oder an der Mosel wohnst, dann wird diese sprachliche Verwechslung den meisten Menschen gar nicht erst auffallen. Da kannst du also ganz gelassen bleiben.

Herzliche Grüße von Frau Laut

Graf Ortho

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 16.04.2017 08:34
 

Lieber Graf Ortho und das ganze Team der Rechtschreibwerkstatt,

Danke für die ausführliche Antwort! Rheinland! An so etwas hatte ich noch gar nicht gedacht! Da kann etwas dran sein - auch die Umgebung prägt! Wir Eltern sind beide woanders aufgewachsen, nun wohnen wir aber am Rhein zwischen der Vorderpfalz und der KurpfalzSeit geraumer Zeit beobachte ich nun aufmerksam.

Eine Freundin (hier aufgewachsen) berichtete mir, dass sie damit “schon immer“ Schwierigkeiten hätte.

Nun noch eine Folgefrage: wann wird denn die phonologische Bewusstheit ausgebildet? Daheim sind bei unserem Sohn über uns Eltern zwei bis drei andere dialektische Einfärbungen im Hochdeutschen (Süd, Nord und Ost) normal! Seit seinem Start in der Kita kommt das Regionale für die bessere Gesamtverwirrung dazu.

Noch eine ergänzende Beobachtung: Thüringer können Kirchen und Kirschen auch nicht unterschiedlich aussprechen. Aber Thüringisch haben wir nicht zu bieten.

Viele Grüße von 3Aguila.

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 22.04.2017 18:27
 

Liebe Aguila,

als phonologische Bewusstheit im engeren Sinne bezeichnet man in der pädagogischen Psychologie die Fähigkeit, gesprochene Wörter in Laute zu zerlegen und umgekehrt aus Lauten Wörter zu bilden.

Unsere Schrift ist eine an den Lauten orientierte Buchstabenschrift. Im Anfangsunterricht Sprache lernen Kinder, sich von der Bedeutung eines Wortes zu lösen und auf die Lautbestandteile des Wortes zu achten.

Als phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne werden auch Kompetenzen erfasst, die schon im Vorschulalter gebildet werden. Hierzu gehören u. a. dass Kindern bewusst wird, dass sich Wörter reimen, dass sie einen Rhythmus haben und in Silben gesprochen werden können und dass die Länge eines Wortes nicht von der Bedeutung abhängt.

Besonders hilfreich zur Ausbildung dieser Grundkompetenzen ist es, mit Kindern zu singen (Singspiele), sich im Rhythmus bewegen (tanzen), Reime bilden (auch mit Unsinnswörtern), musizieren, gemeinsam Bilder betrachten und Dinge benennen sowie Geschichten vorlesen.

Viele Grüße

Norbert

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