Hallo Sonne123,
wie Sie sicher in anderen Beiträgen in diesem Bereich gelesen haben, ist die Umsetzung von Unterrichtskonzepten immer von den jeweilig beteiligten Personen abhängig und zuweilen sehr unterschiedlich. Es ist auf jeden Fall eine gute Möglichkeit, als Lehrer seine eigene Persönlichkeit einzubringen und im Sinne der Entwicklung der Kinder aus mehreren Möglichkeiten auszuwählen. Man muss aber das Ziel immer vor Augen haben und die Weiterentwicklung von Schülerleistungen fördern. So sollten die grundlegenden Gedanken eines Konzeptes (hier der Rechtschreibwerkstatt) beachtet werden und in der konkreten Umsetzung wieder zu finden sein. So weit zur Theorie.
Wenn eine Klasse nach der Rechtschreibwerkstatt arbeitet, dürfen nicht Abschreibübungen als einzige Methode bei den Kindern eingeführt sein. Schreibübungen unterstützen Kinder in ihrer rechtschriftlichen Entwicklung, sind an bestimmten Punkten im Lernprozess elementar wichtig. Kinder müssen aber Konstruktionsprinzipien der deutschen Rechtschreibung kennen lernen. Dies können sie besser mit Sortierübungen zu verschiedenen Aufgaben, um daran diese Konstruktionsprinzipien zu entdecken und zu erfahren.
Das Haus der Rechtschreibwerkstatt leitet nun die Kinder (und die Lehrer) durch diesen Prozess. Das Haus ist gegliedert in seine Grundlagen (Anfangsunterricht), den Zimmern auf der Lautebene, den Zimmern auf der Wort- und anschließend auf der Satzebene. Zum Schluss kommen die Ausnahme- und Fremdschreibungen dran. Es macht Sinn, dass ein Kind sich zuerst die Grundlagen erarbeitet und dann Zimmer für Zimmer die einzelnen Bereiche bearbeitet. Wann ein Wechsel sinnvoll ist, hängt von jedem Kind einzeln ab und ist ein sehr individueller Lernprozess. Alle Angaben können also nur ein Richtwert sein und müssen individuell überlegt werden.
Hauptthema der ersten Klasse ist die Erarbeitung der Buchstaben mit dem Hör-, Schreib- und Sehpass und daran anschließend der Lesepass. Wenn ein Kind dies sicher beherrscht, kann es im ersten Zimmer die Übungen zur Laut-Buchstaben-Zuordnung bearbeiten. Dies kann schon im ersten Schuljahr beginnen. Es gibt aber auch Kinder, die damit im Verlauf des zweiten Schuljahres starten. Danach wird sich das Kind Zimmer für Zimmer erarbeiten. Um festzustellen, wann ein Wechsel ins nächste Zimmer ansteht, werden regelmäßig Diagnosediktate geschrieben. Im Verlauf des Lernprozesses kommt es immer mal wieder vor, dass Kinder sich so auf einen Bereich konzentrieren, dass Verschreibungen aus bereits erarbeiteten Bereichen auftauchen. Manchmal (aber nicht immer) braucht ein Kind dann wiederholende Übungen aus dem jeweiligen Zimmer.
Wenn die Selbstkontrolle bei den Kindern ab der ersten Stunde gut eingeführt wird, muss ich als Lehrer nicht jedes Wort und jeden Satz kontrollieren. Ich möchte die Kinder bestärken, ein eigenes Sprachgespür zu entwickeln und Strategien zur Kontrolle zu erlernen. Kinder müssen für ihren Lernprozess selbst verantwortlich werden. Da Kinder sich Falschschreibungen nicht einprägen können, ist es auch kein Problem, wenn sie zum Beginn des Lernprozesses Wörter nicht nach den Regeln der Erwachsenen verschriftlichen. Das sollen sie ja erst im Laufe der Schulzeit lernen.
Schöne Grüße aus Münster
Gerd
Meine Hansajolle Flyt im Netz
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