Hallo,
meine beiden Söhne sind jetzt seit ein paar Tagen in der zweiten Klasse. Nachdem sie ein Jahr lang, meiner Ansicht nach erfolgreich, nach dem Konzept der Rechtschreibwerkstatt unterrichtet wurden, bin ich nun sehr verwirrt. Beide Kinder hatten sehr viel Freude bei der selbständigen Arbeit mit den Pässen und haben recht schnell schreiben und lesen gelernt. So kommunizieren sie z. B. mit ihrem Papa weitgehend selbständig per E-mail (derzeit aus Sicherheitsgründen noch ohne eigenen Account), wenn dieser auf Dienstreise ist. Natürlich schreiben sie bisher so, wie sie es hören, und sind auch dabei noch nicht komplett fehlerfrei, da wird auch schon mal ein Buchstabe vergessen, aber wenn man sie bittet, das Wort nochmal zu lesen, finden sie den Fehler sehr schnell. Auch brauchen sie für jeden Satz noch eine Weile. Was sie schreiben, kann man aber gut lesen und verstehen. Alles in allem war ich vom Konzept bisher begeistert, ganz im Gegensatz zu den meisten anderen Eltern. Gerade deshalb habe ich mich auch über diese Webseite ein wenig informiert, einfach um zu wissen, worum es geht.
Jetzt bin ich allerdings verwirrt und auch etwas verärgert: Bereits als ich in den Sommerferien das neue Sprachbuch (Bausteine von Diesterweg) gekauft habe, habe ich mich gewundert, da das Buch meines Erachtens nicht zum Konzept der Rechtschreibwerkstatt passt. Und nun geht es los mit dem Ärger. Seit Beginn des neuen Schuljahres müssen meine Jungs (die in zwei verschiedenen Klassen unterrichtet werden) als Hausaufgabe regelmäßig Texte aus dem Spachbuch abschreiben. Und das klappt nun überhaupt nicht. Beide machen beim Abschreiben "file Feler", die aber m. E. ihrem bisherigen Kenntnisstand entsprechen. Natürlich macht es keinen Sinn, Texte falsch abzuschreiben. Der Lerneffekt ist ja dann eigentlich gleich null. So habe ich sie auf die Fehler hingewiesen (mit Erklärung, warum man das anders schreibt, wenn es denn eine gibt). Das gab dann aber jedesmal großen Ärger, denn sie meinten, sie schrieben so, wie sie es könnten und bisher gelernt hätten (womit ich ihnen in gewisser Hinsicht sogar recht geben muss).
Ein kurzes Gespräch das ich heute morgen mit einer der beiden Lehrerinnen geführt habe, brachte mich nicht wesentlich weiter. Sie meinte, natürlich müssten die Texte richtig abgeschrieben werden, und sie müsste wohl noch einmal darauf hinweisen, wie man das mit dem Abschreiben am besten macht. Auf meine Frage nach der selbständigen Passarbeit antwortete sie, diese würde fortgesetzt, aber nicht mehr unbedingt den Schwerpunkt bilden. (Dabei wurden vor den Ferien noch Modellwortschätze angeschafft, die aber auch nicht zum Wortschatz des Sprachbuchs passen...) Eine Bekannte wusste aus zweiter Hand, dass das Konzept der Rechtschreibwerkstatt an der Schule mittlerweile kritisch gesehen würde und man wieder davon weg wollte, da die Kinder wohl beim Schulwechsel große Probleme mit der Rechtschreibung hätten. Aber so einen Wechsel macht man dann doch nicht nach dem ersten Schuljahr, oder? Für mich ergibt das jedenfalls keinen Sinn.
Sei es, wie es ist, Einfluss darauf habe ich als Mutter (zudem mit einer Einzelmeinung) sowieso nicht. Andere Eltern sind ander Meinung und sagen, ihre Kinder hätten mit dem Abschreiben viel weniger Probleme als mit dem selbständigen Schreiben. (Lernen sie denn dadurch auch Rechtschreibung?) Also frage ich mich, wie ich meine Kinder beim Konzeptwechsel am besten unterstützen kann. Sie selbständig abschreiben zu lassen und hinterher gemeinsam die (leider zahlreichen) Fehler zu besprechen hat jedenfalls nicht funktioniert. Zumal sie auch von vorneherein schon keine Lust zum Abschreiben haben. Also habe ich mich heute mit einem der beiden hingesetzt und versucht zu vermitteln, wie das vielleicht mit der Selbstkontrolle funktionieren könnte, d. h. für mich: Wort lesen, schauen, ob es irgendwelche Besonderheiten gibt, die er selbst noch anders schreiben würde (z. B. Konsonantenverdopplung, v statt f, ie statt i etc.), das Wort zu schreiben und dann noch einmal zu kontrollieren. Das ganze hat recht lange gedauert und nimmt den Kinder auch im Moment ein Stück Selbständigkeit bei den Hausaufgaben, ist aber die einzige Möglichkeit die mir einfällt. Ich bin keine Lehrerin, daher frage ich hier im Forum nach. Wie unterstütze ich meine Kinder am besten? Einfach machen lassen und dann Fehler korrigieren oder auch nicht (aber die Lehrerin schaut die Hausaufgaben nur selten nach)? Eine zeitlang daneben setzen und versuchen zu vermitteln, wie man richtig abschreibt? Ich bin ratlos und dankbar für alle Tipps.
Mit herzlichen Grüßen
Eine Mutter