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 18.09.2007 22:27
 
 bearbeitet durch rs.admin  am 06.04.2008 12:41:37
Unser Sohn ist seit diesem Schuljahr in der ersten Klasse und muss leider nach RSW Lesen und Schreiben lernen. Zum Ende des Kindergartens war er voll von Fragen: "Was steht da?" "Welcher Buchstabe ist das?" Er war stolz darauf, Buchstaben zu erkennen, seinen eigenen Namen schreiben zu können. Dann wurde er eingeschult und war voll Vorfreude darauf, dass er nun mehr Buchstaben lernen würde. Er ging hoch motiviert in die Schule.

Das war einmal, noch nicht einmal sechs Wochen ist es her! Was ist geschehen? Die ersten drei Wochen wurde anhand eines einzigen Buchstabens die Methode als solche erlernt. Mit einer normalen Fibel hätte man dieser Zeit gleich ein paar Buchstaben gelernt. Diese Buchstaben hätten dann aber alle Schülerinnen und Schüler der Klasse gelernt, die Lernschwachen und die Lernstarken. Aber sehen wir weiter, was dann folgt: Stupideste Übungen zum Schreibenlernen von Buchstaben, die unser Kind stark langweilen. Viele andere Fibeln bieten auch in diesem Bereich vielfältige und abwechslungsreiche Übungen an. Diese Langeweile hat zur Folge, dass er zwei weitere Wochen für den zweiten Buchstaben brauchte, den er aber im Kindergarten schon lange schreiben konnte. Da die Materialien aber nicht alle vollständig ausgefüllt waren, durfte er noch nicht zum nächsten Buchstaben wechseln. Dieses Verfahren steht der erklärten Zielsetzung des "individuellen Lernens" diametral gegenüber! Während unser Sohn in anderen Bereichen (Sport, Musikinstrument) sehr konzentriert, sehr motiviert und sehr zielgerichtet neue Dinge dazu lernt, wird nun ausgerechnet in der 1. Klasse der Grundschule ein "unkonzentriertes" Verhalten bescheinigt. Das passt nicht zusammen.

Fazit: Hier wird einem Kind, das vor noch wenigen Wochen hoch motiviert eingeschult wurde, die Lernmotivation durch die RSW-Methode systematisch ausgetrieben. Es hat effektiv seit Beginn des Schuljahres nichts dazugelernt. Mit einer normalen Fibel wäre das nicht passiert. Wie kann man dies anders benennen als eine "Methode der Verdummung".
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 19.09.2007 08:56
 

Hallo 2day,

Es tut mir leid, dass Sie so negative Erfahrungen mit der Methode der Rechtschreib-Werkstatt gemacht haben. Ich weiß nur nicht woran das liegt. Wurde Ihnen die Methode auf einem Elternabend ausführlich vorgestellt? Genau das, was Sie schildern, wird eigentlich mit der Methode verhindert. Fitte Kinder haben in diesem Rahmen reichlich Gelegenheit gemäß ihres Lernstandes Leistungen zu erbringen. Dies geschieht im Rahmen des freien Schreibens mit einer Anlauttabelle. Mit ihr stehen den Kindern von Anfang an alle Buchstaben zur Verfügung und sie werden nicht ausgebremst, wie es im Rahmen des Schriftspracherwerbs mit Fibel in der Regel geschieht. Ich kann nur raten, sprechen Sie die Lehrerin an und fragen nach!

Viel Erfolg ulrike

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 22.09.2007 22:36
 
Hallo Ulrike,
natürlich wurde uns die Methode am Elternabend vorgestellt, natürlich haben wir nachgefragt. Unser Kind sei eben unkonzentriert. So einfach macht man sich das: Wenn etwas nicht rund läuft, dann ist eben das Kind unkonzentriert, womöglich gar "hyperaktiv", oder der mangelhafte Informationfluss ist schuld.

Ich frage mich, warum eigentlich vor allem  Lehrer diese Methode so preisen? Hört man sich in der Elternschaft um, fragt Eltern, die ihre Kinder schon auf weiterführenden Schulen untergebracht haben, dann bekommt man sehr sehr viele Antworten dieser Art: "Natürlich habe ich die Rechtschreibung bei meinen Kindern korrigiert, entgegen der Anweisung der Lehrerin." Eltern, die zu Hause nicht korrgiert haben, berichten: "Mein Sohn ist heute in der 5. Klasse des Gymnasiums. Nun hat er sehr große Probleme mit der Rechtschreibung. Seit der zweiten Klasse (das war der Zeitpunkt, an dem auch die Grundschule die Rechtschreibung korrigiert hat) ist seine Rechtschreibung völlig chaotisch." Die bisherigen Gespräche mit verschiedenen Eltern zeigen: Alle erfahrenen Eltern, die sich um ihr Kind kümmern und gerne mehr für das Kind erreichen möchten, als dass ihr Kind auf die unterste Bildungsstufe gedrückt wird, haben die Rechtschreibung entgegen der RSW-Methode schon in der ersten Klasse korrigiert.

"Fitte Kinder haben in diesem Rahmen reichlich Gelegenheit gemäß ihres Lernstandes Leistungen zu erbringen". Davon kann gar keine Rede sein. Diese Gelegenheit wird vor allem bei fitten Jungen dadurch zunichte gemacht, dass sie keine Lernanleitung bekommen. Das selbständige Lernen ist für viele Kinder, auch für die fitten,  vor allem in der ersten Klasse eine Überforderung. Da sie dann irgendwann nicht mehr wissen, was sie tun sollen, werden sie unkonzentriert.

Es ist schon seltsam, dass man Erfahrungen der Vergangenheit und bisherige Methoden mit aller Gewalt auf den Abfallhaufen der Bildungspolitik fahren will, obwohl sehr sehr viele Eltern bestätigen können, dass ihre Kinder nach den alten Methoden sicherer und schneller Lesen und Schreiben gelernt haben als nach der RSW-Methode. Warum hören Schulleiter und Lehrer nicht auf diese Eltern-Erfahrungen? Warum hält man nach einer Erprobung an einer erwiesenermaßen schlechteren Methode fest (siehe Marburger Studie)? Es kann wohl nur eine Ideologie dahinter stecken, wie geartet sie auch immer ist. Aber Ideologien in der Schule haben schon sehr viel Schaden angerichtet. Schauen wir doch einfach darauf, bei welcher Methode der Nutzen (dass alle Schülerinnen und Schüler sicher und schnell Lesen und Schreiben lernen) am höchsten ist. Die RSW-Methode ist es bestimmt nicht!
Grüße
2day
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 24.09.2007 08:36
 
Das mit den schlechten Erfahrungen ist so eine Sache. Leider melden sich in der Regel die Eltern zu Wort, wo es nicht so gut läuft. Mit Lob wird an dieser Stelle gespart. Ich finde es gut und richtig, wenn über solche Erfahrungen, die sie und andere Eltern machen, öffentlich gesprochen wird, um die verwandten Methoden kritisch zu hinterfragen. Und ich bin mir sicher, dass es sehr viele Kinder gibt, die nach traditionellen Methoden unterrichtet werden und trotzdem scheitern. Die Methodenkritik ist mir zu einseitig. Methoden sind Rüstzeug für einen guten Unterricht. Letztendlich liegt es an den LehrerInnen diese richtig einzusetzen und die Kinder in ihrem Lernen individuell zu begleiten.
Sie berufen sich auf die "Marburger-Studie". Sind sie sich sicher, diese richtig gelesen zu haben? (S. Abschlussbereicht)

Grüße

jd
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 25.09.2007 18:49
 
Hallo Borkum,
Sie haben natürlich Recht mit der Bemerkung, dass vor allem unzufriedene Eltern sich zu Wort melden. Wenn ich aber schreibe:
"Hört man sich in der Elternschaft um,...", dann sind dies eben nicht die Eltern, die als erste den Mund aufmachen. Es sind diejenigen Eltern, mit denen man zwischen Tür und Angel ins Gespräch kommt, die dann so ganz nebenbei von ihren schlechten Erfahrungen mit der RSW-Methode berichten.

Der Abschlussbericht der Marburger Studie stellt folgendes klar:
"Ende 2. Klasse: Wir finden, dass sich die Konzepte hinsichtlich der grundlegenden Kategorien des lautorientierten Schreibens und der Laut-Buchstaben-Zuordnung nicht unterscheiden. Die Klassen der Rechtschreibwerkstatt schneiden hier also etwa genau so gut ab wie die Lollipop-Klassen."
Damit ist die RSW-Methode hinsichtlich dieser Kategorien im grünen Bereich. Aber der Bericht sagt auch, dass die Vergleichsgruppe, die Lollipop-Gruppe also, bis zu dem Zeitpunkt schon wesentlich mehr kann: "Der im Zwischenbericht dokumentierte sehr große Konzeptunterschied in der globalen Rechtschreibleistung erklärt sich dadurch, dass die übrigen Rechtschreibkategorien von den Lollipop-Klassen fast durchweg deutlich besser beherrscht werden als von den RSW-Klassen." Und weiter: "Wir können aber festhalten, dass Lollipop deutlich früher als RSW ein gutes Schriftsprachniveau erreicht hat, was durch den sehr deutlichen Gruppenunterschied am Ende der zweiten Klasse dokumentiert wird." Ist da irgendetwas falsch zu verstehen, wenn die RSW-Methode nur in einer Hinsicht der Lollipop-Methode annähernd das Wasser reichen kann?

Es ist nicht auszuschließen, dass auch nach der Fibel-Methode einige Schüler Schwierigkeiten haben, richtig zu lesen und zu schreiben. Die Maburger Studie sagt aber sehr deutlich, dass die meisten  Schülerinnen und Schüler am Ende der 2. Klasse mehr können, wenn sie mit Lollipop unterrichtet wurden, als wenn sie die RSW-Methode anwenden mussten. Anstatt dogmatisch an einer Methode festzuhalten, die sich als nachteilig und schlecht erweist, sollten Lehrinnen und Lehrer doch lieber flexibel reagieren.

Übrigens gab es diese These: "Die Theorie war gut, nur die Durchführung war schlecht" vor 17 Jahren schon einmal, als einige sich fragten, wie es zum Zusammenbruch der DDR kommen konnte.  Mit Ideologie kommen wir nicht  weiter, eine schlechte Methode kann man eben nicht gut umsetzen.

Grüße
2day
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