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Nutzer von: 08.12.2008
5 Beiträge
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Hallo,
ich war jetzt einige Jahre wegen meiner eigenen Kinder zu Hause. Nun bin ich wieder in den Beruf eingestiegen und musste direkt eine dritte Klasse mit 30 Kindern übernehmen.
Diese dritte Klasse ist aus Kindern aus drei Schuleingangsstufen zusammengesetzt worden und musste erstmal zu einer Klasse zusammenwachsen.
das haben wir aber gut geschafft.
Meine Schwierigkeit ist eine ganz andere.
An der Schule werden die beiden ersten Klassen jahrgangsübergreifend unterrichtet. In Deutsch nach dem Konzept der RSW. Das Kollegium hat mehrere Fortbildungen besucht... leider alles vor meiner Zeit.
Selbstverständlich soll ich aber nun in meiner dritten Klasse auch nach diesem Konzept unterrichten, von dem ich bis dahin nur mal theoretisch gehört hatte...
Ich bin aber natürlich aufgeschlossen und arbeite mich auch gerne in neue Sachverhalte.
Ich habe bereits mit dem Modellwortschatz gearbeitet, Abschreibtexte mit den Kindern gemacht, mit den Wörterlisten gearbeitet, Diagnosediktate geschrieben und ausgewertet usw.
Nicht schlecht... und irgendwie muss man ja Rechtschreibung machen.... ob nun so oder anders... da wirds nicht große Unterschiede geben.
Dachte ich!
In meiner Naivität!
Nun stehe ich ein bisschen zwischen den Fronten.
Die Kolleginnen, die alle auf Fortbildungen waren, helfen mir und der anderen neuen Kollegin gerne und unterstützen uns... und sind überzeugte Anhänger der RSW.
Nun habe ich in meienr Klasse auch einige kritische Eltern, die eher gar nicht überzeugt sind. Die finden, dass ihre älteren Kinder in den ersten beiden Schuljahren mit der herkömmliche Fibelmethode viel besser gelernt haben und sehr viel sicherer in der Rechtschreibung sind, als ihre jüngeren Kinder in meiner Klasse.
Kann nicht sein, sagen meine fortgebildeten Kolleginnen... die Methoden und Ergebnisse der RSW sprechen für sich!
Ist doch so, sagen die Eltern... zeigen auf ihre jüngeren Kinder und winken mit Studien, die sie im Net gefunden haben, nach denen der Aufwand der RSW in keinem Verhältnis zum Ergebnis steht und nach denen die Fibelmethoden besser abschneiden... und es überdies in Klassen, in denen nach den Methoden der RSW unterrichtet wird, mehr Kinder mit LRS-Schwierigkeiten gibt.
Ich persönlich finde übrigens, dass meine Drittklässler ganz gut schreiben... die leistungsstarken Kinder sind sicherer als die schwächeren Kinder... ich habe mindestens drei Kinder mit LRS-Problemen... und halte das für einen normalen Durchschnitt... wobei ich aber den Verdacht habe, dass es mit egalwelcher Methode wahrscheinlich genauso aussehen würde...
Ich bin neu im Thema... ich möchte mich in keine Richtung aus dem Fenster lehnen, ohne dass ich Fakten habe.
Im Net finde ich reichlich... teilweise polemische... Diskussionen, die mehr an einen Glaubenskrieg erinnern, als an sachlichen Austausch.
Im Net finde ich auch reichlich Material, das die These untermauert, die meine Eltern vertreten.
Ich gebe zu, das verunsichert mich etwas.... schließlich unterrichte ich das ja.
Und genau deswegen bin ich hier zur Quelle gekommen... und suche nun hier Fakten, die untermauern, dass die Methoden der RSW erfolgreich sind... und warum genau sie erfolgreich sind.
Gibt es objektive, unabhängige, vergleichende Studien, die zu einem solchen Ergebnis kommen?
Ich wäre sehr dankbar, wenn ich hier ein paar Links zu solchen Studien bekommen könnte... um so gestärkt in Elterndiskussion gehen zu können.
Denn im Moment ist meine Argumentation ein bisschen lau...
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Nutzer von: 05.11.2001
852 Beiträge
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Guten Tag, Calli,
im Internet kursieren viele positive aber natürlich auch negative Darstellungen und Kritik an dem Konzept der Rechtschreibwerkstatt. Auf meinen Internetseiten habe ich versucht, einige wichtige Kritiken aufzugreifen und aus Sicht der Rechtschreibwerkstatt zu kommentieren.
- Eine sachliche Auseinandersetzung mit verschiedenen „teilweise polemischen“ Beträgen zur RSW im Internet finden Sie hier.
- Eine Darstellung der Ergebnisse der Marburger Studie finden Sie hier.
- Erfahrungen zur Arbeit mit dem Konzept der RSW finden Sie hier. Dort werden in Kürze auch Videoclips aus dem Unterricht und Interviews mit Lehrerinnen und Lehrern veröffentlich.
Grundsätzlich müssen wir fragen, welche Bedeutung „wissenschaftliche“ Untersuchungen für den Unterricht und für die Auseinandersetzung im Kollegium und mit Eltern haben können.
- Was helfen beispielsweise gute Ergebnisse einer vergleichenden Studie, wenn eine Lehrerin das Konzept nur halbherzig oder nicht sachgerecht im Unterricht umsetzt?
- Jede Mutter, jeder Vater weiß, dass Kinder verschieden sind. Können wir dann so ohne weiteres die Lesekompetenz des älteren Kindes mit der des jüngeren Kindes vergleichen? Oder die Lesekompetenz der Schwester mit der des jüngeren Bruders?
- Das Einzugsgebiet der einen Klasse besteht zum großen Teil aus Einfamilienhäusern. In der anderen Klasse hingegen haben über die Hälfte der Kinder einen Migrationshintergrund. Lassen sich diese beiden Klassen – und vor allem die Lernerfolge der Kinder ohne weiteres miteinander vergleichen?
- Kann man eine junge Kollegin, die zum ersten Mal eine Klasse 1 unterrichtet ohne weiteres mit einer Kollegin vergleichen, die bereits zum dritten Mal nach dem Konzept der Rechtschreibwerkstatt eine Anfangsklasse unterrichtet?
- … ?
Diese Frageliste können wir fast beliebig weiter fortsetzen. Die Kernfrage ist nicht, ob irgendwer schon einmal erfolgreich mit einer bestimmten Methode oder einem bestimmten Konzept erfolgreich unterrichtet hat. Letztlich kommt es darauf an, dass mein Unterricht bei meinen Schülerinnen und Schülern in dem gegebenen sozialen Umfeld erfolgreich ist.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Wirkung und den Erfolg des eigenen Unterrichts zu überprüfen.
- Die Lernentwicklungsberichte (siehe hierzu im Downloadbereich 02-RS-Materialien/08-Bewertung) sind ein Versuch, die Lernentwicklung der Kinder in Bezug zu den Anforderungen der Lehrpläne zu setzen. Im Verlauf der vier Grundschuljahre kann man an der Tabelle des Lernentwicklungsberichtes den Lernverlauf eines Kindes ablesen und mit den Anforderungen des Lehrplans vergleichen.
- Natürlich kann die Lernentwicklung einer Klasse auch mit standardisierten Testverfahren (z. B. Hamburger Schreibprobe) geprüft und damit ein Vergleich mit einer Normstichprobe erstellt werden. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass die Testverfahren an Klassen genormt wurden, die mit herkömmlichen Methoden unterrichtet wurden. In solchen Klassen ist die Lernentwicklung etwas anders, als in Klassen, in denen selbstständiges Arbeiten, eigenverantwortliches Lernen und qualitative Lernentwicklung im Mittelpunkt stehen. Hier einige prototypische Klassenentwicklungen, gemessen mit standardisierten Testverfahren im Vergleich zu Klassen, die nach dem Konzept der Rechtschreibwerkstatt unterrichten:
*)
Bei RSW-Klassen zeigen sich zu Beginn langsame, dann zum Ende der Grundschulzeit stark ansteigende Lernverläufe, die sich schließlich in der Sekundarstufe auf einem hohen Niveau stabilisieren. Diese Ergebnisse werden auch durch die Marburger Studie (Prof Schulte-Körne) und die Gießener Studie. (Prof. Glowalla) gestützt.
- Bildungsforscher sehen solche Vergleichsuntersuchungen mit standardisierten Verfahren (aber auch Untersuchungen mit Vergleichsarbeiten, und Studien wie Pisa, Iglu oder Timss) zunehmend kritisch.
Eine ganz aktuelle Meldung zum Deutschen Schulpreis und ein Interview mit Prof. Hans-Günter Rolff passt hierzu. Die Qualität des Unterrichts wir hier mehr an Faktoren wie Methodenkompetenz, eigenverantwortlichem Lernen und Selbstständigkeit sowie Mitverantwortung für die Mitschülerinnen und Mitschüler usw. gemessen, weil dies die Schlüssel zum erfolgreichen Lernen sind. Wen wundert es, dass der Hauptpreisträger des Deutschen Schulpreises 2008, die Wartburgschule in Münster unter anderem auch nach dem Konzept der Rechtschreibwerkstatt arbeitet.
Hierzu passt ebenfalls, dass 71,2 Prozent der Grundschulen, die das „Gütesiegel Individuelle Förderung“ des Landes NRW erhalten haben, ebenfalls mit den Materialien und nach dem Konzept der Rechtschreibwerkstatt arbeiten.
Kurz und gut, liebe/r Calli:
Schielen Sie nicht so sehr nach sogenannten (oder selbsternannten) „wissenschaftlichen“ Untersuchungen oder „Beweise“. Vergleichen Sie Ihre Arbeit nicht so sehr mit anderen Klassen. Messen Sie Ihre Arbeit und die qualitative Lernentwicklungen Ihrer Schülerinnen und Schüler. Beachten Sie vor allem auch, wie selbstständig Ihre Schülerinnen und Schüler lernen, wie diese eigenverantwortlich lernen und Verantwortung für ihre Mitschülerinnen und Mitschüler übernehmen. Diese Basisqualifikationen, die bei der Arbeit nach dem Konzept der Rechtschreibwerkstatt eingeübt werden, sind für den langfristigen Lernerfolg sehr viel wertvoller.
Viele Grüße
Norbert Sommer-Stumpenhorst
*) Wegen eines unbeabsichtigten Fehlers in dem Diagramm wurde dieses vorübergehend entfernt.
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Nutzer von: 12.12.2008
7 Beiträge
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Hallo,
wichtig wäre es, mehr über die Quelle der Grafik zu erfahren und mehr über die genaueren Daten, die dazu führten: wo wurde die Studie durchgeführt, welche Messverfahren wurden angewandt, wie viele Kinder/Klassen waren daran beteiligt, welche Universität führte sie durch, wie hießen die Fibeln, die quasi mitgetestet wurden, ... Insgesamt war das ja ein großes Projekt, über das wir im Internet nichts finden. Die Marburger Studie kann es nicht sein, die lief nur über 4 Jahre.
Wenn ich im Internet unter Gießener Studie. (Prof. Glowalla) nachschaue, stoße ich in einem Elternforum des Vereins von Eltern für Eltern (http://emgs.de/forum-emgs/viewtopic.php?t=73) auf einen Artikel, der sich auf einen Bericht in der Frankfurter Rundschau (2005?) "Land unterstützt zweifelhafte Studie" bezieht und in dem es unter anderem heißt: „Unter der Überschrift "Land unterstützt zweifelhafte Studie" meldet die Rundschau allerdings Zweifel an der Objektivität jener an, die diese Studie derzeit erstellen. "Professor Glowallas Ehefrau ist Geschäftsführerin der Lerndesign GmbH, die Material für die "Rechtschreibwerkstatt" herstellt und dieses über den Collishop von Diplom-Psychologe Norbert-Stumpenhorst im Internet vertreibt.“
Ist in der Frankfurter Rundschau die von Ihnen oben genannte Gießener Studie. (Prof. Glowalla) gemeint?
Wir bedanken uns für eine baldige Antwort.
Mit freundlichen Grüßen
Vitus & Co.
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Nutzer von: 08.12.2008
5 Beiträge
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Vielen Dank, Norbert, für die lange Antwort.
Das hilft mir ja schon mal weiter.
Aber macht mich andererseits auch unsicherer.
Du schreibst:
Was helfen beispielsweise gute Ergebnisse einer vergleichenden Studie, wenn eine Lehrerin das Konzept nur halbherzig oder nicht sachgerecht im Unterricht umsetzt?
und:
Kann man eine junge Kollegin, die zum ersten Mal eine Klasse 1 unterrichtet ohne weiteres mit einer Kollegin vergleichen, die bereits zum dritten Mal nach dem Konzept der Rechtschreibwerkstatt eine Anfangsklasse unterrichtet?
Und das trifft auf mich ja zu.
Ich unterrichte zum ersten mal nach dem Konzept der RSW, ich wurde ohne Fortbildung in eine dritte Klasse gesteckt und kann trotz vielerlei Lektüre und Begleitung durch ältere Kolleginnen nicht garantieren, dass ich das Konzept der RSW sachgerecht unterrichte...
Und nun?
Ist es nun von vorneherein zum Scheitern verurteilt?
Wäre es besser gewesen, ich würde nach Methoden unterrichte, die ich kenne, mit denen ich mich auskennen und mit denen ich in der Vergangenheit an anderen Schulen gute Lernerfolg bei meinen Schülern hatte?
Und so sehr wir auch sagen, dass das Konzept der RSW eher langfristig aufgeht... die Eltern meiner Drittklässler schielen bereits jetzt nach den weiterführenden Schulen und es macht sie nervös, wenn ihre Kinder Rechtschreibfehler machen, die in den Augen der Eltern längst schon nicht mehr gemacht werden dürften...
Da kann ich noch so ruhig argumentieren... da wedeln die Eltern mit den schon erwähnten Studien.
das ist eine Sprache, die die Eltern verstehen... und deshalb wäre mir eine... noch besser: mehrere... unabhängige, objektive Studie mit guten Ergebnissen für die RSW sehr Recht gewesen.
Und vitus... verwirre mich doch nicht noch mehr...
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Nutzer von: 12.12.2008
7 Beiträge
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Hallo, Calli,
verwirren will ich Dich nun gar nicht, ich frage ja selber aus einer Situation der Verwirrung heraus. Ich habe lediglich zwei Fragen gestellt, auf deren Beantwortung ich noch warte. Leider ist das Diagramm oben entfernt worden, keine Ahnung warum, und meine Fragen dazu bleiben auch unbeantwortet. Ich habe das Diagramm schon einmal gespeichert als es noch oben gezeigt wurde und ans Kollegium weitergegeben. Die Eltern sollen das auch bekommen, ich kann aber jetzt nur schlecht auf diese Seite verweisen.
Es gibt deshalb bei uns Verwirrung, weil auf einer Fortbildungsveranstaltung zum Thema „Rechtschreiben“ vor dem Unterricht in der Grundschule nach „Sommer-Stumpenhorst“ gewarnt wurde, auch wurde unsere Lehramtsanwärterin wegen des Einsatzes der RSW vom Seminar „gedeckelt“. Wir sind also ratlos und wollen uns wie Du auch ein wenig schlauer machen. Daher gibt es einige Fragen, auf die uns auf dieser Tagung teilweise auch Kolleginnen von unserer Nachbarschule gebracht haben. Die wollen nämlich wie es hinter vorgehaltener hand heißt, so nicht weiter machen. Wobei ich nicht so genau abschätzen kann, ob das wirklich stimmt.
Mit verständnislosen Eltern hatten wir aber ab Klasse drei auch immer wieder zu tun. Die wollen uns dann weismachen, deren ältere Kinder, die unsere Schule besucht hätten, kämen von den weiterführenden Schulen in Deutsch wegen Rechtschreiben nur noch mit schlechten Noten nach Hause. Zum Glück sind wir ein gutes Team und halten gut zusammen.
Mit Grüßen
Vitus & Co.
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