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 16.06.2009 14:45
 
 bearbeitet durch sost  am 16.06.2009 22:03:25

Liebe Kollegen,

die aktuelle "Lernchancen" 69/70 hat unter dem Titel "DIAGNOSE - UND WAS DANN?" einige sehr interessante Texte veröffentlicht.

Besonders lesenswert finde ich den Basisartikel von Rolf Werning ("Diagnose - und was dann?") sowie den Artikel von Michael Wildt ("Diagnostik vom Nutzen her denken!").

Gerade im letzten Artikel lassen sich viele interessante Gedanken mit der RSW-Arbeit verknüpfen!

Mit herzlichen Grüßen

Anne

 

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 16.06.2009 22:02
 

Liebe Anne,

das sind ganz interessante Hinweise. Ich bin dem gerade nachgegangen und war auf der Verlagsseite. Dort habe ich dann gesehen, dass das Heft 24 Euro kostet. Kann das sein? Bei kanpp 100 Seiten ein ganz stolzer Preis. Meine Frage also ist: Lohnt sich die Anschaffung?

Liebe Grüße und vielen Dank für die Information

Norbert

 

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 16.06.2009 23:45
 

Lieber Norbert,

da ich Abonnentin bin, der Jahrespreis liegt bei 69,40€, habe ich nicht verfolgt, was dieses Doppelheft kostet. Aber 24€ muss man nicht unbedingt ausgeben ...

Aber ich habe für dich auch eine Lösung gefunden. Wart`s ab.

Liebe Grüße

Anne

 

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 20.06.2009 00:32
 

Guten Abend Anne,

lieben Dank. Nun habe ich einigen Lesestoff.

Liebe Grüße

Norbert

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 27.06.2009 13:19
 
 bearbeitet durch ANNEK  am 27.06.2009 15:05:58

Liebe Kollegen,

ich habe den Eindruck, dass die offziellen Forderungen nach Tests ein wenig nachgelassen haben...

Die letzte Welle wurde von Lesetests bestimmt, die niemand finanzieren wollte, die aber doch gemacht werden sollten, wo letztendlich keiner wusste, was danach kommen sollte usw. Wem ging es warum anders?

Mich interessiert das Thema "Diagnose" dennoch, weil ich im Interesse meiner Schüler! klären möchte, wie ich Diagnose einsetzen kann.

Die Artikel von Rolf Werning und Michael Wildt ("Lernchancen" 69/70, S. 9-19) haben mich einen Schritt vorangebracht bzw. bestätigt. Ich möchte die wichtigsten Punkte hier vorstellen. Vielleicht könnt ihr euch Beobachtungen ergänzen bzw. weitere Literaturtipps geben.

In der Medizin ist die Diagnose die Grundlage für therapeutische Entscheidungen! Genau diese Vorstellung woll(t)en wir Lehrer doch auch auf die Päd. übernehmen, nicht wahr? Wir führen einen oder mehrere Tests durch und wissen dann, was zu tun ist. Leider ist es nicht ganz so einfach. Aus den diagnostischen Daten bekommen wir nicht automatisch klare Anweisungen für unser päd. Handeln, da das "Paket" Schule, Schüler, Lehrer, Eltern einfach zu komplex ist.

Dass die Diagnose erst einen praktischen Platz in der päd. Ausbildung gewinnen muss, zeigt u. a. mein Ausbildungsweg: Ich kann mich nicht erinnern, dass ich als einzelne Schülerin jemals im Mittelpunkt eines Lehrers stand, wenn ich Schwierigkeiten hatte. Vielleicht hatte einer meiner Lehrer Recht, wenn er in meinem schlechtesten Fach Ma immer bedrückt murmelte:" Ich möchte wissen, wie Sie das Abitur schaffen wollen..."

Natürlich wollte ich das auch wissen! Aber mein Lehrer wusste es offensichtlich selbst nicht. Dennoch schaffte ich das Abi, aber an Förderung, außer an der Tafel vorzurechnen (Hilfe!!!), kann ich mich kaum erinnern. Während meines Studiums und des Ref. wunderte ich mich immer wieder, dass in den schriftlichen Vorbereitungen ausführlich die allg. und spez. Lernvoraussetzungen der Schüler beschrieben wurden. Ich hatte bald den Eindruck, dass neben den Ortsteilen und Busverbindungen nur noch die Schuhgrößen der Schüler fehlten! Ich sah selten einen Zusammenhang zwischen den Voraussetzungen und dem Stundenthema bzw. -verlauf. Auch hier Fehlanzeige, was die Diagnose angeht.

Dieses Wissen erobere ich mir immer noch in der Praxis. Dabei macht die Analyse, wie sie in der RSW eingesetzt wird, einen großen Teil meiner Arbeit aus.

So analysiere ich alle Arbeiten in Deutsch. Damit ich nicht so viel arbeiten muss, tragen die Schüler meine Analyse in ihrer Tabelle, die alle Arbeiten enthält, ab. Jetzt, zum Jahresende, ist es sehr interessant und wichtig zu erkennen, ob es einen Zusammenhang gibt zwischen der Art der Arbeit und der Analyse. Parallel dazu laufen die "normalen" Textanalysen der RSW. Beide Ergebnisse setze ich auch zueinander in Beziehung und bespreche - mindestens mit den Schülern, die in meinen Förderunterricht gehen, die nächsten Schritte.

Nun zu dem, was die Autoren WERNING und WILDT Interessantes aufgezeigt haben: Sie schlagen vor, Diagnostizieren und Fördern als zirkuläre Prozesse zu beschreiben bzw. als gemeinsame Suche von Lernenden und Lehrkraft nach Ansatzpunkten  für erfolgversprechendes Weiterlernen.

R. Werning hat außerdem folgenden Vorschlag gemacht: "Im Umgang mit Schülerinnen und Schülern mit Lernschwierigkeiten bzw. Verhaltensauffälligkeiten kann z. B. statt einer Unterscheidung "lernschwach / nicht lernschwach" bzw. verhaltensauffällig / verhaltensunauffällig  [rechtschreibschwach / guter Rechtschreiber = ANNEK] auch z. B. die Unterscheidung zwischen "bisher erfolgreiche Förderung / bisher nicht erfolgreiche Förderung" gewählt werden.

Das scheint mir ein wichtiger Gedanke zu sein, da wir als Lehrer!!! hier Teil der Beobachtung sind! Es reicht also nicht, die RSW als solche "reinzugeben". Wir müssen uns selbst und unsere Arbeit gemeinsam mit dem Schüler regelmäßig und kritisch hinterfragen und gemeinsam nach Wegen suchen, die eine erfolgereiche Förderung ermöglichen. So richten sich die Beobachtungen nicht auf Selektion (der muss / der muss nicht in den LRS-Kurs), sondern auf Reflexion! bezüglich der bisherigen Fördermaßnahmen. Und an dieser Stelle muss ergänzt werden: bezüglich des bisherigen Unterrichts!

Genau dieser Gedanke scheint mir deshalb so interessant, weil damit deutlich wird, dass die RSW kein Selbstläufer ist. Wenn mit / nach der RSW gearbeitet wird, dann ist auch immer das gesamte Lernen und die Bedingungen, die es beeinflussen, zu be(-ob-)achten.

Wernig zeigt noch einmal auf, dass Fehler genau die Bemühungen (Vorstellungen des Schülers von der Schriftsprache) des Schülers aufzeigen, eine Lösung zu entwickeln. Der Schüler dokumentiert damit seine subjektiven Strategien. Ich möchte sagen, dass er seine Vorstellungen von den Prinzipien der Rechtschreibung aufzeigt.

Daraus jetzt einen Förderplan für einen großen Zeitraum zu entwickeln, lässt die Reflexion außer Acht, die zeitnah erfolgen muss, um eine Veränderung oder völlige Neukonzipierung der Fördermaßnahmen zu verabreden!

Das bedeutet für unsere Praxis, dass bei dem einen oder anderen Kind eine Reflexion vor dem nächsten Analysetext stattfinden muss, wenn bereits im (Förder)Unterricht deutlich wird, dass diese verabredeten Fördermaßnahmen nicht erfolgreich sind.

(Da fällt mir ein... Gibt es eigentlich die Analysetexte auf CD, damit ich als Lehrerin flexibler arbeiten kann?)

Abschließender Gedanke: Diagnostik als gemeinsame Suche!

Wildt hat folgende praktische Vorschläge gemacht: Die Schüler führen Hefte mit einem breiten Rand, in den sie einen Lernkommentar schreiben. Lernkommentare als wichtige Information für die Lehrkraft - und ich meine auch für den Schüler!- , die den Prozess des Lernens genauer dokumentieren.

In der RSW tragen die Schüler ihre Ergebnisse in die Protokolle ein, aber der Prozess geht verloren, weil er nicht dokumentiert wird! Hier wäre die Randidee gut umzusetzen bzw. bei unseren Schülern der Sek. I folgendes Protokoll: Fange das Heft von hinten an und trage Datum, Zeit, Woran hast du gearbeitet? sowie deine Ergebnisse und deine Beobachtungen zu Erfolgen, Schwierigkeiten... ein.)

Auch dies ist kein Selbstläufer. Ich muss mit den Schülern immer wieder besprechen, welche Beobachtungen hilfreich sein können. Aktuell kann ich folgendes Beispiel nennen: Schüler der Kl. 9 sprechen sich Texte auf ihre Handys auf, die sie sich dann als Eigendiktat diktieren lassen. Sie können es kaum glauben, dass sie sich vorher alle Stellen markieren können, die ihnen wichtig / notwendig erscheinen, um einen fehlerfreien Text zu produzieren.

Aktuell müsste im Protokoll erscheinen: Ich habe keine Markierungen vorgenommen. Ich probiere beim nächsten Text, schwierige Stellen vorher zu markieren, um mir selbst eine größere Sicherheit beim Schreiben zu geben.

Nach meiner Erfahrung sträuben sich die Schüler sehr, ein Protokoll zu führen. Es gibt in wenigen Fächern kaum eine Reflexionsebene, da nicht der Weg interessiert, sondern nur das Ergebnis (Note!). Über die Noten werden gerne geredet (diskutiert), viel seltener über Kompetenzen bzw. Prozessverläufe. Ich versuche jedoch geduldig und hartnäckig zugleich zu bleiben, um den jungen Leuten zu zeigen, dass ich sie nur dann besser beraten kann, wenn mir mehr Informationen zum Lernprozess zur Verfügung stehen. Dann stellen sich erste Beratungserfolge ein. Vertrauen ist auch hier notwendig, keine Frage.

In meinen Fächern D und GL führen die Schüler generell ein Logbuch, in das sie alle Bewertungsbögen (ausführliche Besprechung einer Note sowie Lernhinweise) einkleben. Schüler und Eltern ergänzen meine Bewertung und Beratung, wobei ich sagen muss, dass die Kinder hier schon ganz gut reflektieren, Eltern jedoch meistens im Hintergrund bleiben. Das ist sehr schade.

So begeben wir uns tatsächlich ganz langsam und immer ein Stückchen weiter auf einem gemeinsamen Lernweg, der nicht nur zum Elternsprechtag im Mittelpunkt steht.

Mit herzlichen Grüßen

Anne

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