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 24.04.2016 18:54
 
BWT 
 bearbeitet durch ANNEK  am 24.04.2016 18:57:25

Lieber Norbert,

der BWT war bisher für mich bisher in der Sek. I eine Möglichkeit, den LB-Bereich genauer auszuloten. Mit den Intensivkursen und -klassen wird der BWT jedoch eine besonders wichtige Grundlage, um das Schreiben / die Rechtschreibung auch bei unseren (neuen) Großen zu entwickeln.

Aus meiner Sicht gibt es Verständnishürden:

Im BWT müssten meiner Meinung nach die Vokal- und Konsonantenphonem-Graphem-Zuordnung abgebildet und aufgefangen werden, da das Laut- oder phonematische Prinzip grundlegend für unsere Schrift ist. 

Daraus ergeben sich mehrere Fragen:

a) Durch welche Position in welchem Wort wird das entsprechende Phonem bzw. die Phonemfolge abgedeckt? Ich habe die Zuordnung selbst vorgenommen. Die Aufstellung schicke ich an dich, Norbert, damit du sie hier platzieren kannst. Ich kann es nicht.

b) Manche Phoneme sind mehrfach abgedeckt: z. B. /a:/ durch Nadel und Spaten. Andere werden gar nicht abgedeckt: z. B. /y:/ und /œ/, z. B. in Bücher oder Töne. Vielleicht habe ich auch die passenden Stellen übersehen, dann nehme ich das gerne zur Kenntnis. 

c) Die Phoneme werden in verschiedenen Positionen des Wortes (Anlaut, Mitte, Auslaut) angetroffen, was sicherlich nicht unbedingt ausgewogen sein muss. 

d) Mir ist klar, dass Wörter wie Anker, Fuß, Lasso ... Orthographeme enthalten und für leistungsstarke Schüler gedacht sind. Wäre es aber nicht hilfreich, in diesem Rahmen nur die Basisgrapheme abzubilden? 

e) Die Auswertung erfolgt über drei Ebenen: 1) Richtige Laut-Buchstaben-Zuordnung 2) Laut-Buchstaben-Zuordnung im Anlaut 3) Übungsbereiche

zu 1) Erfasst die richtige LBZ alle Positionen oder nur Mitte und den Auslaut? Hätte ich hier bereits eine Aufstellung der Position der Phoneme, dann wäre klar, welche Positionen wo gezählt werden.

zu 3) Die Zusammenfassung der Übungsbereiche müsste sich auch an den Phonemen orientieren. Eine Unterordnung in Vokale (unterschiedliche Schreibung bei /i/ und /i:/, Dauerkonsonanten und Plosiva ist aus meiner Sicht zu pauschal, zumal hier zu viele verschiedene Begriffe für eine Sache verwendet werden.

f) Wenn ich mit unseren DaZ-Kindern den BWT durchführen will, dann benötigen sie erst einmal einen ordentlichen Wortschatz, um überhaupt erst einmal selbstständig mitschreiben zu können. Eine Teilauswertung nimmt der Computer nur als nicht gekonnt an?! 

Wenn ich noch etwas nachlesen kann, was meinen Horizont zu diesem Thema erweitert und Fragen damit beantwortbar werden, so lass es mich wissen.  

In jedem Fall freue ich mich auf deine Antwort, Norbert.

 

Herzliche Grüße an dich

 

ANNEK

 

 

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 27.04.2016 13:06
 

Liebe Anne,

deine Phonem-Graphem-Tabelle habe ich nun hochgeladen. Du findest diese hier.

Die Antwort auf deine Fragen folgen später.

Herzliche Grüße

Norbert

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 27.04.2016 14:28
 

Vielen Dank, Norbert.

 

Ich freue mich auf unsere Diskussion.

 

Mit herzlichen Grüßen aus Nordhessen

 

ANNEK

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 13.05.2016 22:54
 
 bearbeitet durch sost  am 13.05.2016 23:07:05

Liebe Anne,

bevor ich auf deine Fragen eingehe zunächst etwas Allgemeines zum Bild-Wort-Test:

Diesen Test habe ich für die Grundschule und hier spezielle für den Anfangsunterricht entwickelt. Ziel der Testentwicklung war es herauszufinden, ob und in welchem Ausmaß ein Kind die regelhaften Laut-Buchstaben-Zuordnungen der deutschen Schriftsprache verschriftet. Bei der Testentwicklung gab es hier verschiedene Probleme zu bewältigen:

  • Es sollten alle regelhaften LBZ (Laut-Buchstaben-Zuordnungen) abgebildet werden, die am Wortanfang, am Wortende und im Wortinneren vorkommen.

Häufig vorkommende LBZ (z. B. Vokale Dauerkonsonanten) sollten insgesamt in den Wörtern häufiger vorkommen als seltene LBZ (z. B. Umlaute, Diphthonge, Plosiva)
Der Test sollte darüber hinaus einige wenige Wörter mit Besonderheiten enthalten um feststellen zu können, ob ein Kind bereits andere Regelhaftigkeiten der deutschen Schriftsprache (ß, ie, Doppelkonsonant, vokalisches r, Auslautverhärtung) anwendet.
Der Test sollte keine Wörter mit Ausnahmeschreibungen(z. B. Dehnungs-h) enthalten.

  • Der Test sollte möglichst wenige Wörter enthalten.

In einer aufwendigen Voruntersuchung in vielen Klassen hatte ich herausgefunden, dass die Konzentration etwa vier Wochen nach Schulbeginn bei ca. acht Wörtern und nach einem Jahr bei 40 Wörtern lag. So kam es zu den 29 Wörtern des BWT, der am Lernanfang in zwei bzw. vier Abschnitten durchgeführt werden kann.

  • Die verwendeten Wörter sollten möglichst kurz und malbar sein.

Es kamen also nur einsilbige Wörter (+ Endung) und Nomen infrage.

  • Die verwendeten Bilder müssen den Kindern bekannt sein.

Es wurden daher vornehmlich Wörter ausgewählt, die in der „Bildkartei Klasse 1“ vorkommen.
Ausnahmen: Kreuz, Spaten, Storch, Schlitten, Qualle, Jäger, Orgel. (Diese Wörter wurden zusätzlich aufgenommen, um Beispiele für regelhafte Besonderheiten zu haben.)

Die Analyse der Wörter sowie die Erprobung der Wörter waren sehr zeitaufwändig. Vor allem die letzten beiden Kriterien schränkten die Wortauswahl ziemlich stark ein. Nach einem Abgleich der analysierten Wörter mit den verschiedenen Bildkarteien wurden vornehmlich Wörter bevorzugt ausgewählt, die in der „Bildkartei Klasse 1“ vorkommen. Ausnahmen: Kreuz, Spaten, Storch, Schlitten, Qualle, Jäger, Orgel. Diese Wörter wurden zusätzlich aufgenommen, um Beispiele für regelhafte Besonderheiten zu haben.

Interessant ist, dass dieser BWT (im Zuge von Inklusion und DaZ / DaF) inzwischen auch über den Anfangsunterricht hinaus und sogar in der Sekundarstufe eingesetzt wird. Wenn ich diesen BWT direkt für die Sekundarstufe entwickelt hätte, so wäre der Spielraum für die Wortauswahl sehr viel größer gewesen und die Analyse sehr viel präziser.

Nun zu deinen Fragen:

Zu a) Ich habe dir einmal die Analysetabellen hochgeladen. An denen kannst du sehen, welche Laute an welchen Stellen durch welche Wörter abgebildet werden. Du findest das PDF-Dokument hier. (Wenn du möchtest, schicke ich dir die Originaltabellen per E-Mail.)

Zu b) Das stimmt. Die Umlaute habe ich nur in einer Variante abgebildet. In den Tabellen habe ich die fehlenden LBZ rot markiert. Für die Klasse 1 sind diese fehlenden LBZ zu vernachlässigen.

Zu c) Ja, auch das ist korrekt. Vor allem die Beschränkung der Wörter (mit möglichst wenigen Wörtern möglichst viele regelhafte LBZ abzubilden) hat zu einer gewissen Unausgewogenheit geführt.

Zu d) Ja, das hätte ich machen können. Ich wollte aber bei der Konstruktion des BWT bewusst auch Orthographeme abbilden, um auch sprachlich begabte Kinder schon früh zu erfassen.

Zu e) Ich habe in den Tabellen die Auswertungsstellen markiert. Es stimmt, die Unterordnungen sind an manchen Stellen zu pauschal. Für den Anfangsunterricht reicht diese grobe Einschätzung allerdings.

Zu f) Wenn du diesen BWT mit Kindern durchführst, die in einer anderen Muttersprache aufgewachsen sind (DaZ, DaF) dann willst du erfassen, ob und wie umfangreich diese die LBZ der deutschen Schriftsprache verinnerlicht haben bzw. anwenden können. Richtig? Hier kann dir der BWT eine erste Orientierung geben.

Es macht Sinn, dass diese Kinder und Jugendliche mit Hilfe der Computerprogramme, z. B. „Laut-Buchstaben-Sortiermaschine“ die LBZ üben, da sie in diesen Programmen sowohl die korrekte deutsche Aussprache hören als auch die Begriffe in ihrer Sprache (z. B. türkisch, rumänisch, arabisch) vorgesprochen bekommen. So können sie sich einen entsprechenden Wortschatz erarbeiten. Mit dem Programm „Erste Wörter schreiben – online“ können die Kinder und Jugendlichen dann nach den Lautübungen weiterarbeiten. Auch in diesem Programm stehen Übersetzungen in verschiedenen Sprachen zur Verfügung.

Wenn die Kinder so weit sind, sollten sie ein halbwegs sicheres Gespür für die regelhafte LBZ der deutschen Schriftsprache entwickelt haben. Bis hier hin können wir den BWT sicherlich auch in der Sekundarstufe gut einsetzen.

Sobald die Kinder/Jugendlichen dann mit dem Modellwortschatz weiterarbeiten, der ja inzwischen auch als Computerprogramm mit Übersetzungen zur Verfügung steht, würde ich eher auf die qualitative Textanalyse zurückgreifen, um den Stand der Entwicklung der Schüler(innen) zu erfassen.

Liebe Grüße und entspannte Pfingsttage

Norbert

neuer Beitrag
 14.05.2016 17:44
 

LIeber Norbert,

herzlichen Dank für deine ausführliche Antwort.

Ja, bitte, schicke mir die Origianaltabellen zu. Wahrscheinlich brauche ich aber noch eine andere Lesart: Eine Tabelle mit vier Spalten, in der ganz links das Phonem vorgegeben ist, dem die entsprechenden Grapheme dann in den Spalten Anlaut-Mitte-Auslaut rechts zugeordnet werden. Wenn die Position so wichtig ist, wovon ich ausgehe, dann wünschte ich mir genau dieses auch in der Auswertung: Das Kind kann schon die Phoneme xy den Graphemen xy zuordnen, muss aber noch üben: Phonem xy in der Position xy.

Dir ist es wichtig, dass die Kinder selbst das entsprechende Bild, z. B. Storch, korrekt benennen können, um es dann zu verschriften. Warum? Willst du gleichzeit auch ihre (Aus)Sprache mit überprüfen? 

Für die DaZ-Kinder stellt der BWT auch im Sinne des neuen Wortschatzes eine hohe Anforderung dar, der sie erst mit einiger Vorarbeit (Wortbedeutung lernen) nachkommen können. Eigentlich möchte ich aber schon viel früher wissen, ob sie die Laut-Buchstaben-Zuordnung schon auf dem Schirm haben. 

Was spricht dagegen, ihnen Phantasiewörter vorzusprechen, in denen das entsprechende Phonem, z. B. P/pade, vorkommt, die dann auch verschriftet werden?

Mit herzlichen Grüßen an dich

 

ANNEK

 

 

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 15.05.2016 22:27
 
 bearbeitet durch sost  am 15.05.2016 22:31:55

Liebe Anne,

  • Die Originaltabelle ist unterwegs.

Die Tabellen zeigen dir, wie ich im BWT die Laut-Buchstaben-Zuordnung (LBZ) auswerte.

  • Die Stellung der Laute im Wort ist nur bei den Vokalen und einigen wenigen Konsonanten (z. B. [s], [z]) von Bedeutung.

Im Anfangsunterricht nutzen wir das Anlautlineal, was korrekter „Lautlineal“ heißen sollte. Es bildet die regelhaften LBZen (mit drei Ausnahmen) ab. Das macht das Lautlineal der Rechtschreibwerkstatt im Vergleich zu den vielen Anlauttabellen, die auf dem Markt sind, so besonders.

  • Die Kinder lernen – während sie mit dem Lautlineal Wörter verschriften –  diese regelhaften LBZen kennen. Dabei erfahren sie auch, dass

einerseits verschiedene Laute mit gleichem Buchstaben (z. B. Esel/Ente/Ei/Eule/Leiter; Teich/Buch, Schere/Spinne/Stern) und

andererseits umgekehrt ein Laut durch verschiedene Buchstaben verschriftet werden kann (exemplarisch: Fisch/Vogel; Würfel/Vase; Kerze/Computer).

  • Der BWT erfasst diese verschiedenen LBZen nicht komplett, sondern nur, soweit es für die Klasse 1 relevant ist.

Es spricht nichts dagegen, einmal über eine zweite Fassung des BWT für Kinder mit Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache zu diskutieren und einen solchen Test zu entwickeln.

In diesem Zusammenhang einen Paralleltest mit Unsinnswörtern zu erstellen ist nicht nur spannend (das haben wir ja auch für den LV-Test so gemacht) und gerade für den DaZ-Bereich lohnenswert. 

Liebe Pfingstgrüße

Norbert

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