In der Zeitschrift Empirische Sonderpädagogik, 2011, ist ein interessanter Artikel von Rachel Sermier Dessemontet, Valérie Benoit, Gérard Bless erschienen mit dem Titel:
Schulische Integration von Kindern mit einer geistigen Behinderung – Untersuchung der Entwicklung der Schulleistungen und der adaptiven Fähigkeiten, der Wirkung auf die Lernentwicklung der Mitschüler sowie der Lehrereinstellungen zur Integration
In diesem Artikel wird u. a. eine Studie der Autoren (Freiburg/Schweiz) beschrieben und diskutiert in der der Frage nachgegangen wurde, ob die Beschulung von Kinder mit einer geisitgen Behinderung in einer Förderschule oder in einer Regelschule zu einem größeren Ertrag führt. Außerdem wurde untersucht, ob Regelschüler Nachteile durch die integrative Beschulung der Schüler mit einer geistigen Behinderung haben.
Hier ein kurzer Auszug aus der Diskussion:
… Die dargestellten Ergebnisse zeigen in deutlicher Übereinstimmung mit bisherigen, im Ausland gewonnenen Forschungsergebnissen, dass die integrierte Beschulung von Kindern mit einer geistigen Behinderung mit der entsprechenden zusätzlichen sonderpädagogischen Unterstützung mindestens gleich gute und in den sprachlichen Leistungen sogar leicht größere Lernfortschritte ergibt als die Sonderbeschulung. …
… Regelschüler erreichen sowohl in Regelklassen mit Integration als auch in Regelklassen ohne Integration vergleichbare Lernfortschritte in den Kernfächern Mathematik und Sprache. Die vorliegende Untersuchung liefert in Übereinstimmung mit dem internationalen Forschungsstand keine Anhaltspunkte dafür, dass die Integration von Kindern mit einer geistigen Behinderung die Lernentwicklung der Kinder ohne Behinderungen bremsen würde. Befürchtungen dieser Art sind unbegründet. Dieser Befund stellt für die Diskussion um integrative Lösungen eines der Hauptergebnisse dar. …
… Aufgrund des bisherigen empirischen Wissens ist die integrative Beschulung von Kindern mit einer geistigen Behinderung pädagogisch vertretbar und sinnvoll. Entscheidend ist unseres Erachtens, dass die integrative Beschulung den betroffenen Kindern ermöglicht, wohnortnah beschult zu werden, was ihre sozialen Teilhabechancen erhöhen dürfte. Die durch die Sonderbeschulung häufig verursachte soziale Entwurzelung aus dem natürlichen Wohnumfeld samt deren Konsequenzen kann weitgehend vermieden werden. Die Realisierung der wohnortnahen Beschulung ist aus sozialpolitischer und pädagogischer Sicht mindestens ebenso bedeutsam wie die hier ein weiteres Mal bestätigten leichten Vorteile der Integration in Bezug auf die Fortschritte der Kinder. …
Ein sehr lesenswerter Artikel für alle, die sich für die Weiterentwicklung von Schulen hin zu einer inklusiven Schule einsetzen.
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages und der Autoren kann ich euch im Downloadbereich den ganzen Artikel zur Verfügung stellen. Zumindest die Diskussion sollte ein jeder lesen, der sich für das Thema Inklusion interessiert!
Viele Grüße
Norbert